Befreiung durch Hoffnung statt Herrschaft durch Angst

Die Angst der Massen ist berechtigt und von den Herrschenden gewollt. Denn Angst macht gefügig und verhindert den Widerstand gegen das ungerechte System. 2 Personengruppen sind besonders von dieser Angst betroffen. Das sind zum einen die prekär Beschäftigten und zum anderen die Erwerbslosen.

Das Prekariat (Menschen, die in einer unsicheren, befristeten und schlecht bezahlten Beschäftigung arbeiten) fürchtet sich vor dem Arbeitsplatzverlust, da es die damit verbundene Ausgrenzung aus der Gesellschaft befürchtet. Schließlich könnten sie dann die Frage „Was machst du denn so?“ nicht mehr gesellschaftskonform beantworten. Sie müssten sich als „arbeitslos“ outen. Zum anderen sind fürchten sie die Abhängigkeit von den Behörden, die dann die Bedingungen für den Geldbezug stellen können.

Für die Erwerbslosen ist die Angst ein stetiger Begleiter ihres Lebens. Eine Entscheidung eines Angestellten im Jobcenter reicht und das Geld – was sowieso schon zu gering ist – wird gekürzt. 10%, 30% oder 100% weniger Geld, das ist für die Menschen die absolute Entwürdigung. Für mindestens 3 Monate wird den Betroffenen die Existenzberechtigung entzogen. Was sind die Folgen? Sie sind weitreichend, fangen dabei an, dass sich die Menschen bei Freund_Innen irgendwie durchschlagen bis hin zu Obdachlosigkeit. Hinzu kommt die steigende Resignation mit der ansteigenden Anzahl an Absagen von Arbeitgeber_Innen. Mit der Zeit stellt sich bei manchen auch eine fehlende Zustimmung zu den „Dienstleistungen“ des Jobcenters ein. Sie wissen, dass sie auch nach dem 5. Bewerbungstraining keine Arbeitsstelle bekommen und das sie nach 3 Monaten Leiharbeit wieder erwerbslos sind.

Das ist also die Angst der beiden Menschengruppen. Beides mal führt es zu einer besseren Gefügigkeit gegenüber den Mächtigen. Erwerbstätige, die in unsicheren Beschäftigungen arbeiten, beteiligen sich nur selten an Arbeitskämpfen (Streiks, etc.). Sie sind schließlich nur befristet eingestellt und sind damit besonders vor der Kündigung gefährdet. Die meisten Erwerbslosen wissen, dass sie nach der Pfeife der Behörde tanzen müssen, damit sie den Geldkürzungen entgehen können. Somit gibt es auch wenige, die sich trotzdem gegen die Vorgaben der Behörde auflehnen.

Die Angst führt nicht nur zu einem geringeren Widerstand, sondern auch dazu, dass sich die beiden Gruppen gegeneinander ausgespielt werden. So werden die Erwerbslosen gerne als „Sozialschmarotzer“ bezeichnet, da sie keine Erwerbstätigkeit ausüben. Hinter dieser Aussage steckt die Logik, dass die Erwerbslosen selber Schuld an ihrer Situation seien. Diese Argumentation hält keiner statistischen Beschäftigung stand. Selbst, wenn die offiziellen Zahlen betrachtet werden, geht die Rechnung nicht auf. 4,5 mio. Erwerbslosen stehen nur 1 mio. offene Stellen auf der anderen Seite gegenüber. D.h. selbst, wenn alle offenen Stellen mit Erwerbslosen besetzt werden können, gibt es immer noch 3,5 mio. Menschen die keine Erwerbstätigkeit ausüben. Ihre Schuld?

Die Schuld liegt vielmehr an den Kapitalist_Innen, die ihr Personal zugunsten der Profitmaximierung „rationalisieren“. Insgesamt betrachtet gibt es für die Kapitalist_Innen gar kein Sinn für eine mögliche Vollbeschäftigung zu sorgen. Denn das Heer der Erwerbslosen führt zur Senkung der Löhne. Schließlich können die Kapitalist_Innen den Arbeiter_Innen immer mit der Kündigung drohen, da x mio. Menschen nur auf eine offene Stelle warten. Anstatt also in der Angst zu ersticken, sollten sich Erwerbslose und Arbeiter_Innen zusammenschließen und gemeinsam gegen die Auswirkungen des Kapitalismus kämpfen. Und darin liegt auch die Hoffnung in dieser schwierigen Situation: In dem gemeinsamen Widerstand! Denn so wird es realistisch, dass die Forderungen der Mehrheit endlich Gehör finden und verwirklicht werden.

Warum also fordern wir nicht gemeinsam eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich? So könnte die Arbeit endlich umverteilt werden. Denn zurzeit arbeiten immer weniger Menschen immer mehr, während für immer mehr Menschen zu wenig Arbeit vorhanden ist. Wenn sich diese Verteilung nicht ändert, sollte es uns nicht wundern, wenn immer mehr Menschen an Burnout leiden bzw. aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden.

Warum fordern wir nicht gemeinsam die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens? Es würde alle Menschen von dem Zwang zur Erwerbstätigkeit befreien. Die allermeisten (min. 80%) würden bei einem BGE weiterhin ihre Erwerbstätigkeit ausüben. Die anderen (Erwerbslose und die, die mit ihrer Arbeit unzufrieden sind) werden eine Arbeit suchen, die ihnen Spaß macht und die ihnen besser liegt. Die Arbeit muss nicht zwingend unter der Aufsicht und Steuerung der Kapitalist_Innen stattfinden. Es wird vielmehr Formen der selbstorganisierten Arbeit geben.

Warum fordern wir nicht gemeinsam die Umverteilung von oben nach unten? Ein höherer Spitzensteuersatz, die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, die Finanztransaktionssteuer, etc. würde die Angleichung der Gesellschaft fördern. Diese Angleichung wäre nicht nur für Erwerbslose und Arbeiter_Innen von Vorteil, sondern auch für die Kapitalist_Innen. Nicht umsonst Warren Buffet (einer der reichsten Menschen der Welt) in den USA für eine höhere Reichenbesteuerung plädiert.

Warum fordern wir nicht den Systemwechsel? Durch die revolutionäre Beseitigung des kapitalistischen Systems werden die Ursachen für die Ungleichheit in der Gesellschaft nachhaltig bekämpft. Die Ausbeutung von Mensch und Natur wäre beendet. Eine große Hoffnung also, auf die wir gemeinsam setzen sollten! Sie ist gleichbedeutend mit der Befreiung der Menschen und setzt der Herrschaft durch Angst ein Ende!

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10 responses to “Befreiung durch Hoffnung statt Herrschaft durch Angst”

  1. Unbequem says :

    Vergessen wir nicht das dies alles ohne die Mithilfe der Marionetten in der Politik nicht möglich wäre.
    Auch Kapitalisten benötigen Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume.
    Warum sie noch nicht den unbedingten Ehrgeiz entwickelt haben gleich selbst das regieren zu übernehmen, liegt auf der Hand.
    Ein bisschen Staat braucht man noch, wer sollte sonst die Verluste übernehmen, wenn nicht der dumme Steuerzahler?

    Lug und Trug, wohin man auch schaut, wie dieses Beispiel eindeutig belegt:

    http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2013/0919/banken.php5

    Dem Volk wird entschlossenes Handeln vorgegaukelt, hintenherum treibt man
    Europa in den Ruin!

    Diesen Volksverrätern gehört schnellstens das Handwerk gelegt, Am Sonntag hat jede_r die Möglichkeit einen ersten Schritt in die richtige Richtung zu tun…

    • Ash-Li says :

      Zitat: Diesen Volksverrätern gehört schnellstens das Handwerk gelegt, Am Sonntag hat jede_r die Möglichkeit einen ersten Schritt in die richtige Richtung zu tun…

      …worauf Du Dich verlassen kannst!

      Die Fragen nach dem „Warum“ stelle ich mir auch immer wieder. Meine Antwort darauf ist, weil jeder meint, seine Stimme gilt nichts, darum braucht man gar nicht damit anzufangen. Und genau das ist der Trugschluss.
      So weit haben wir es schon kommen lassen, dass wir nicht mehr an unsere eigene Macht glauben. DAS muss sich zunächst ändern, und dann stehen andere, gerechtere Wege offen.

  2. Der Souverän says :

    Warum? Warum? Warum?

    Da kann ich nur mit Einstein antworten.

    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

    Der Souverän

  3. Burkhard Tomm-Bub says :

    Guten Tag,
    eine gute und klare Positionierung!
    Evtl. interessante Anmerkungen zum Thema schrieb ich u.a. auch hier:
    http://tombbloggt.blogspot.de/p/zeitarbeit-artikel.html
    MfG
    Burkhard Tomm-Bub, M.A.
    Ludwigshafen / Rhein
    – Ex – Fallmanager –

  4. Unbequem says :

    Der Drops ist gelutscht, was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack.

    Einmal mehr hat sich gezeigt, dass die politische Bildung (um es einmal vorsichtig auszudrücken) in diesem Lande endgültig auf dem gleichen unterirdischen Niveau angekommen ist, wie die TV-Formate der privaten Sender.
    Das die öffentlich-rechtlichen Anstalten dem mittlerweile nacheifern, dabei ihre Rolle als sog. „vierte Macht im Staate“ bedenkenlos über Bord werfen (Die Printmedien erwähne ich schon gar nicht mehr, die haben schon lange ihren Pressekodex in den Schmutz getreten), ist lediglich ein weiteres Indiz dafür, dass die Damen und Herren an den Schalthebeln der Macht, die Bürger dieses Landes erstens nicht mehr als solche begreifen, schlimmer noch… uns nicht mehr fürchten müssen.

    Ich seh‘ schon wie sie sich die Hände reiben, sich schon die nächst größere Gemeinheit ausdenkend. Endlich, endlich hat unsere jahrzehntelange Manipulation, Indoktrination, mediale Verblödung, ihre Früchte getragen. Diese Wahl ist der Beweis… jetzt ist alles möglich, man muss es dem Plebs nur richtig verkaufen!

    Herr Abels tut mir leid. Nie waren wir Bundesrepublikaner weiter von einer Bewusstseinserweiterung entfernt, wie nach dieser „Wahl“.

    Ein kleiner Lichtblick bleibt dennoch. Die FDP ist raus und wurde (noch) nicht durch eine noch undemokratischere AfD ersetzt. Das war’s auch schon. Egal wer am Ende mit wem eine regierungsfähige Mehrheit bildet… die nächsten vier Jahre werden uns an die Schmerzgrenze bringen.

    Da muss sich das TV Angebot (Brot und Spiele) noch etwas „steigern“, um die potentiellen Mehrheitsbeschaffer bei Laune zu halten. Kriegsberichterstattung stagniert ein wenig, da hapert es momentan noch etwas an der Finanzierung wie man hört. Der Große Bruder ist etwas klamm.

    So verlässlich wie das Amen in der Kirche, so verlässlich wird es immer weiter gehen… Richtung: abwärts. Wenigstens auf dieses physikalische Gesetz ist – was den Kapitalismus anbelangt – unbedingt Verlass!

    • Andreas Abels says :

      Ich tue Ihnen leid?! Nein, tun sie das nicht. 😉 Auch ich habe erwartet, dass die Wahl so oder so ähnlich ablaufen würde, ist für mich auch keine Überraschung.
      Mit einer großen Koalition habe ich eh gerechnet, darauf wird es sicherlich am Ende hinauslaufen.

      Beuwßtseinserweiterung als Lösung kann ich nur anbieten, letztlich aber muss das jeder für sich selbst entscheiden, und jeder wird die Zeit dafür bekommen, ob nun noch hier auf Erden oder woanders, es gibt noch viele andere Orte/Planeten/Dimensionen/Ebenen in der Schöpfung. 😉
      Viel Platz für viele weitere Spielchen…

      Eines ist aber auch klar: Ich SELBST steige aus diesen ganzen Spielchen aus, insofern brauchen Sie sich um mich keine Sorgen machen.

      • Unbequem says :

        „Eines ist aber auch klar: Ich SELBST steige aus diesen ganzen Spielchen aus, insofern brauchen Sie sich um mich keine Sorgen machen.“

        Ich hoffe doch, mit einem für Sie positiven Ausgang. Wenn Sie mich auch nicht zu überzeugen vermochten, meinen Horizont haben die Diskussionen mit Ihnen erweitert.

  5. Andreas Abels says :

    @Unbequem

    Zitat: „Ich hoffe doch, mit einem für Sie positiven Ausgang. Wenn Sie mich auch nicht zu überzeugen vermochten, meinen Horizont haben die Diskussionen mit Ihnen erweitert.“

    Danke, das gilt auch für mich. Und es freut mich immer wieder, wenn wir Menschen miteinander respektvoll diskutieren und umgehen können.

    Das ist mir noch wichtiger als jemanden von meinen Ansichten zu überzeugen.

  6. Rundregelsatz says :

    Meine ironische Vermutung zur Befreiung:

    Lasst die einfach mal machen. Irgendeiner wird schon zu gierig werden bzw. einen Fehler machen der zum Zusammenbruch führt. Frau Merkel wird dann mit massig Sicherheitpersonal und der höchsten Sicherheitsstufe in einen (vor der Öffentlichkeit) sicheren Bunker gebracht. Während dessen konstruiert der Bundespressedienst schon mal phantasievoll eine Meldung aus der hervor geht, dass afghanische (links-) Extremisten eine Rucksackbombe in einem bisher unbekanten Teil von Deutschland zur Explosion gebracht haben. Glücklicherweise wurden nur einige HartzIV-Empfänger dabei verletzt. Dies verursache dem Steuerzahler aber keine zusätzlichen Kosten, da die Behandlung von der Regelleistung zu bezahlen ist. Es entstand aber ein hoher Sachschaden an der (Banken-) Infrastruktur, weswegen auf unbestimmte Zeit niemand mehr mit einem Fahrzeug fahren dürfe. Obwohl das weltweite Finanzsystem dadurch kollabierte, ihre gesamten Ersparnisse und Rücklagen futsch sind und die Lebensmittel noch maximal drei Tage halten werden, wird die Bevölkerung gebeten Ruhe zu bewahren. Alle machen mit. Da das Land nun wieder neu aufgebaut werden muss, hat auch jeder Verständnis dafür, dass nun wirklich jeder jeden Job im Gegenzug für Essensmarken machen muss. Diese werden selbstverständlich nach Arbeitsleistung ausgegeben. Wir sprechen hierbei aber nicht von den Nährmittelkarten I-IV, das wird dann der „Solidaritätspass zur Abwehr terroristischer Angriffe“

    Ist es nicht mehr lang bis dahin oder haben wir es schon? 2033-2045

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