Personalpolitik vom Arbeitsamt

Das übergeordnete Ziel vom Arbeitsamt heißt: „Menschen und Arbeit zusammenbringen“. Alles Handeln der Bundesbehörde sollte diesem Leitsatz untergeordnet werden. Umso paradoxer ist es, wenn es in der internen Personalpolitik anders aussieht.
So sollen bis 2015 ca. 17.000 Stellen abgebaut werden (von ca. 100.000 Beschäftigten). Nicht gerade wenig! Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen wurde die interne Verwaltung bereits in zwei Schritten zentralisiert (2007 und 2012). Der sogenannte „Internen Service“ (IS) ist seitdem Ansprechpartner für die Mitarbeiter_Innen vom Arbeitsamt und vom Jobcenter. Dadurch konnte bereits Personal eingespart werden, da nicht mehr jedes Arbeitsamt eine eigene Verwaltung hat. Der Druck auf die Beschäftigten wurde damit umso größer.
Der Hauptpersonalrat (HPR) vom Arbeitsamt hat sich deswegen am 1.7.2013 mit einem Brief an den Vorstand gewendet, mit der Bitte, die Personalplanung im IS an die tatsächliche Belastungssituation anzupassen. Der Vorstand solle die Planung v.a. anhand von Kriterien abhängig machen, die den „örtlichen Anforderungen gerecht werden“. Der HPR sieht aufgrund der steigenden Belastung einen „dringenden Handlungsbedarf […], um einer weiteren Demotivation und steigenden Krankheitsquoten […] entgegenzuwirken.“
Der Vorstand reagiert am 18.07.2013 auf diese Forderung und wird in den Haushaltsplanungen für 2014 die Dienstleister Personal SGB II in Dauerstellen umwandeln (insgesamt 97 Beschäftigungsmöglichkeiten).
Die Einführung der IS war allerdings nur der erste Streich. Der zweite folgte mit der Einführung der „Operativen Service“ (OS) zum 1.5.2013. Der OS ist die „Verwaltung“ der Erwerbslosen, d.h. Antragsbearbeitung und zu einem großem Teil auch die Beratung über Leistungsansprüche. Vor dem 1.5. war diese Verwaltung auch in jedem Arbeitsamt. Jetzt sitzen Teilteams in den verschiedenen Arbeitsämtern des Verbundes. Die Erwerbslosen werden dabei nach Endziffern den jeweiligen Arbeitsämtern zugeordnet. So wird z.B. einE ErwerbsloseR aus Konstanz von einer Fachkraft aus Aalen betreut. Für die vor-Ort-Beratung und Hilfe bei der Antragstellung sind weiterhin Mitarbeiter_Innen des Arbeitsamts zuständig. D.h. in der Theorie sollen die Erwerbslosen nicht mitbekommen, dass die „Verwaltung“ sich geändert hat. Der größte Brocken sind allerdings die geplanten Personaleinsparungen bis 2015 im Bereich der OS. Möglich werden diese Einsparungen v.a. mit der Einführung der e-Akte, die in Zukunft das papierlose Büro ermöglichen sollen.
Auch hierzu hat der HPR am 1.7.2013 einen Brief an den Vorstand des Arbeitsamts geschrieben, mit der Bitte die Realisierung der kw-Vermerke im Zusammenhang mit der e-Akte um 2 Jahre zu verschieben. „Kw“ steht für „künftig wegfallend“ und bezieht sich auf die internen Planstellen. In dem Brief schreiben sie, dass bis zum 31.12.2013 690 Stellen auf der Tätigkeitsebene 3 und 4 eingespart werden sollen.
Der Vorstand hat auch hier auf die Forderung des HPR am 18.07.2013 reagiert und beschlossen, dass 250 der kw-Vermerke der Tätigkeitsebene 4 von 2015 auf 2018 verschoben werden. Dadurch würden sinnvolle Arbeitsplätze geschaffen und die Einführung der OS unterstützt.
Insgesamt hat der Vorstand also auf beide Forderungen des HPR reagiert und ist teilweise darauf eingegangen. Eberhard Einsiedler, der Vorsitzende des HPR, schreibt deswegen auch in einem Brief an die Mitarbeiter_Innen vom 22.07.2013, dass die Entscheidungen „ein erster Schritt in die richtige Richtung“ sind. Zudem würden die Änderungen zeigen, „dass der Konsolidierungspfad nicht in Stein gemeißelt ist“.
Also auf gut deutsch: es muss nicht bei dem Plan vom Personalabbau bleiben! Die Entscheidungen der Zentrale sind nicht für die Ewigkeit, sondern die Mitarbeiter_Innen können daran etwas ändern! Das ist die wichtigste Erkenntnis aus diesem Vorgang aus meiner Sicht. Um nicht nur diese kleinen Veränderungen zu erreichen, sondern generell den Plan der Personaleinsparungen zu verhindern, ist es wichtig, dass sich die Mitarbeiter_Innen besser organisieren, um dagegen zu kämpfen. Sehr hilfreich dafür ist die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Denn, umso höher der Organisationsgrad innerhalb vom Arbeitsamt, umso mehr können Gewerkschaften von der Zentrale fordern (zum Thema Beschäftigungsabbau, aber natürlich auch Lohn oder auch zur Geschäftspolitik im Allgemeinen).
Je mehr dafür kämpfen, umso wahrscheinlicher ist es, dass das übergeordnete Ziel „Menschen und Arbeit zusammenbringen“ auch intern angewendet wird.
_________________________________________________________________
Hier die im Artikel erwähnten Dokumente:

1. HPR-Forderung: Personaldimensionierung im IS

2. HPR Forderung: Verschiebung von kw-Vermerken in Zusammenhang mit der Einführung der eAkte

Reaktion der Zentrale

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30 responses to “Personalpolitik vom Arbeitsamt”

  1. Sebastian says :

    Ich bin verwirrt… forderst Du hier Planstellen oder Arbeitsplätze? Also sitz-rum-hab-aber-nix-zu-tun-geh-mental-ein-und-werd-dafür-bezahlt – Stellen oder sitz-rum-und-hab-zu-tun-und-werd-dafür-bezahlt – Stellen?

    • kritischerkommilitone says :

      @Sebastian

      Also ich meine schon Stellen die du als „sitz-rum-und-hab-zu-tun-und-werd-dafür-bezahlt – Stellen“

      bezeichnest.

      Im Kern ist die Problematik, dass, wenn der Druck auf die

      Belegschaft steigt, auch der Druck auf die Erwerbslosen höher

      wird. Deswegen ist es meiner Meinung nach sinnvoll – aus Sicht der

      Erwerbslosen – gegen eine solche Stellenkürzung zu sein.

      Natürlich müssen wir das komplette System überdenken, aber

      so lange es existiert, sollten wir wenigstens das bestmögliche

      für die Erwerbslosen, ArbeiterInnen, Rentner_Innen, Kinder, etc.

      herausholen.

      • Sebastian says :

        Gut, dann sind wir uns wenigstens in diesem Punkt einig 🙂
        Ansetzen sollte man – meiner beschränkten Erfahrung nach – zu allererst bei der Qualität, denn wenn mehr als 50% der angefochtenen Entscheidungen von den Sozialgerichten kassiert werden, kann etwas nicht stimmen.
        Allerdings liegen diese Qualitätsprobleme vermutlich auch nur zum Teil an den Mitarbeitern und zum Teil auch an den Vorgaben.
        Ob nach qualitativen Änderungen auch noch quantitative sinnvoll sind, kann ich nicht beurteilen.

  2. Unbequem says :

    Ein persönlicher Erfahrungsbericht von einem ehemaligen hochqualifizierten Fallmanager findet sich hier:

    http://tombbloggt.blogspot.de/p/warum-nicht-mehr-im-jobcenter.html

    Die JC sind auch bei den eigenen Mitarbeitern unmenschlich konsequent, dass muss man ihnen lassen.
    Das System frisst seine eigenen Kinder.

    Eine, wie ich finde, sehr treffende Analyse über das bestehende System liefert der Autor hier:

    http://tombbloggt.blogspot.de/p/zeitarbeit-artikel.html

    Schade nur, dass zu dieser Einsicht meist erst der reift, der am eigenen Leibe Ungerechtigkeit erfährt.

  3. Unbequem says :

    Ein Erfahrungsbericht von einem ehemaligen Fallmanager:
    http://tombbloggt.blogspot.de/p/warum-nicht-mehr-im-jobcenter.html

    Der Fisch stinkt immer vom Kopf her.

  4. Michael says :

    Es stellt sich beim Lesen der Posts auf dieser Seite die Frage, was Ziel der Beiträge ist. Meinungsaustausch?

  5. Jobcenter Aktivistin says :

    Keine Frage, die MA können einem leid tun.

    Als Erwerbslose ziehe ich mir jedoch schnell mal eine Persönlichkeitsspaltung zu, wenn ich ganz doll Verständnis dafür habe, daß diese armen Menschen mich ja schikanieren und sanktionieren MÜSSEN, weil sonst wären sie ja ganz schnell ihren Job los, und dann wären sie … – wie ich!
    Das geht nun wirklich nicht, neinnein

    Wer von Euch Verständnis vonb oder gar Solidarität mit Erwerbslosen will, muß selber Rückgrat haben: KJlare Absage an Sanktionen und alle Arten von Schikanen, Verarsche und Pseudo-Freiwilligkeit, und zwar als Voraussetzung, und nicht als Ergebnis, eines gemeinsamen Vorgehens.

    #Sanktionsstreik jetzt!

    Jobcenter Aktivistin @JCaktiv

    • Ashtar-Linara says :

      Sehe ich genauso. Allerdings, wie ich schon in einem anderen Thread geschrieben habe, fällt es in „meinem“ Jobcenter nicht schwer, Mitgefühl zu haben, da die Leute wirklich so gut als möglich das Beste für die „Kunden“ herausholen. Mir wurde sogar wegen der Sanktionierungen anvertraut, dass das hier kaum passiere, weil sie einen sehr grossen Handlungsfreiraum haben, den sie auch zugunsten der Arbeitslosen nutzen.

      • Unbequem says :

        Lassen wir doch einmal Deine anthroposophischen Ansätze beiseite und widmen uns den Fakten.
        Was kannst Du uns denn konkret benennen, worin der Handlungsspielraum deines JC besteht. Welche Erfolge in der Vermittlung- oder sinnvolle Maßnahmen darf sich Dein JC denn auf die Fahne heften?

        Lediglich Sanktionen vermeiden, ist etwas dünn, findest Du nicht?
        Wie lange diese Strategie noch gut geht, bis eine „Personalumstrukturierung“ dem einen Riegel vorschiebt, ist eine Frage des wann, nicht des ob.

  6. Ashtar-Linara says :

    Nun, sie behandeln uns respektvoll und freundlich. Man kommt sich hier absolut nicht wie eine „Nummer“, die früher gezogen wurde, vor. Sie stehen jedem mit Rat und Tat zur Seite, sei es nun beim Erklären von Formularen, Widersprüche werden sofort bearbeitet und auch positiv bewertet. – Alles, was man halt gerne hätte.
    Ich denke, es gibt nur EINES, was sie nicht tun (weil sie nicht können): adäquate Arbeit vermitteln…

  7. Burkhard Tomm-Bub says :

    Guten Tag.
    Ich freue mich, hier eine relativ breite Meinungspalette vorzufinden.
    Den Anspruch, den „Jobcenter Aktivistin says : August 25, 2013 at 2:44 pm“ erhebt, finde ich emotional verständlich.
    Aber auch sehr hoch. Ich selbst würde derlei wirklich nur dann erheben, wenn ich selbst einmal etwas vergleichbares vollbracht hätte. Hören wir da etwas darüber?
    Hohen persönlichen Mut, ungeachtet eigener Arbeitslosigkeit, ungeachtet der Familie mit kleinen Kindern, für die man verantwortlich ist, etc. von ANDEREN zu fordern, ist nicht so wirklich schwer.
    Menschen die ihn nicht aufbringen, dann als Feiglinge und Nazi – Schergen zu beschimpfen, ebenfalls.
    Man darf gern Details zu vielen Aspekten dieser Art in meinem Blog nachlesen. Wenn man denn kann und will.
    http://tombbloggt.blogspot.de/
    MfG
    Burkhard Tomm-Bub

    • Unbequem says :

      „Hohen persönlichen Mut, ungeachtet eigener Arbeitslosigkeit, ungeachtet der Familie mit kleinen Kindern, für die man verantwortlich ist, etc. von ANDEREN zu fordern, ist nicht so wirklich schwer…“

      Ich nehme an Du zielst in erster Linie auf die Familien und Kinder der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JC ab?

      Wer persönlichen Mut aufbringen muss um seinen auf die Verfassung abgelegten Diensteid zu erfüllen, sollte erst gar nicht über seine Verantwortung für Kinder und Familie nachdenken.

      Wo soll denn in einer Gesellschaft Verantwortung beginnen, wenn jeder seine persönlichen Interessen über die, der für alle geltenden Verfassung, stellt.
      Demokratie ist doch nicht der Erhalt des Status Quo, sondern verlangt von jedem von uns persönlichen Einsatz.

      Veränderungen ja bitte, aber nicht ich, ich habe Kinder und Familie? Man oh man… solche Eltern wünsche ich keinem Kind!

      • Andreas Abels says :

        Da muss ich UNBEQUEM Recht geben. Natürlich braucht es Mut, sich von der Masse abzuheben und auch persönlich wie auch familiäre Konsequenzen in Kauf zu nehmen, aber entweder sind wir in einer Gesellschaft EINE Familie oder nicht…

        Ich bemängele immer wieder, dass Menschen alles tun würden für sich selbst und die Famlie, über die eigenen Kinder hält man die schützende Hand.

        Aber die gleichen Leute haben keine Skrupel, anderen das Leben schwer zu machen, was leider durch Mitarbeit in einem Jobcenter immer das Fall sein kann (nicht immer muss, aber es ist oft der Fall).

        Sie trennen schlichtweg zwischen dem „Kunden“ und der eigenen Familie, das hat fatale Folgen und ist keine gesunde Basis für die Gesellschaft.
        Es fehlt dann an Empathie für andere nicht-familiäreTeile der Gesellschaft.

        Die eigenen Kinder sind auch Teil dieser Gesellschaft, da muss sich ein Elternteil immer wieder fragen, welche Gesellschaft möchte ich haben, in der meine Kinder noch viele Jahrzehnte leben werden?

  8. Burkhard Tomm-Bub says :

    Guten Tag,
    oh, da habe ich ja schier alle gegen mich bislang, interessant.
    Was ich aber bei keinem hörte: eigenes vorbildliches Handeln in dieser Richtung, Beispiele hierfür.
    Wir alle sind uns ja wohl vollkommen darüber im Klaren, dass eine offene Arbeitsverweigerung im jobcenter keinem einzigen Kunden, keiner einzigen Kundin auch nur das geringste bringen würde.
    Der TL und die Kollegen bekämen die Kunden „umverteilt“, bis man einen neuen AV / FM gefunden hätte, der mit Zeitvertrag die Fälle weiter bearbeiten würde.
    Es wäre also eine rein symbolische Geste.
    Ihr Lieben. Die qualifizierten, guten Fallmanager vor Ort erreichen da IM Büro, wenn kein Chef zuguckt, wesentlich mehr, durch passiven Widerstand. Wahrlich!!
    Aber: diese symbolische Handlung wird von Euch gefordert. Wieso sollte auch ein Durchschnittsmensch Gandhi, Jesus und ähnlichen Vorbildern auch nur irgendwie nachstehen?
    Hat derjenige viel Glück, ist er nicht mit Zeitvertrag dort, hat er nicht als TZ – Beschäftigter auf eine spätere Vollzeitstelle gehofft, etc. – ist er also z.B. Beamter, in Interessensvertretungen Mitglied, etc. – dann kann er Glück haben. Er wird nur ein Jahr auf „bundesweite Erprobung“ geschickt und bekommt danach einen unterwertigen Job. Ok. Eine gute Geste muß einem schon was wert sein.
    Derlei trifft aber auf etliche nicht zu. Alleinerziehende, junge Familien, etc. erwähnte ich.
    Diese Kinder haben es dann viel besser mit einer Mutter, mit einem Familienvater, der / die arbeitslos ist und der die vorige Stelle wegen Arbeitsverweigerung verloren hat. Also so schnell auch nix neues findet. Das alles für eine in der Realität NICHTS bewirkende Geste.
    Wirklich Klasse. Ich befinde mich hier in Gesellschaft von zahlreichen Helden.
    Sie alle müssen ja mindestens etwas ähnliches selbst bereits geleistet haben.
    Sonst hätten sie ja keinerlei moralische Legitimation die Meßlatte derart extrem hoch zu legen.
    Toll.
    MfG
    Burkhard Tomm-Bub

    • Andreas Abels says :

      Hallo Burkhard Tomm-Bub,

      keine Angst, Sie haben hier niemanden gegen sich. Sie selbst haben ja viel Erfahrung als EX-Fallmanager im Jobcenter, Ihren Blog und Ihre Geschichte kenne ich ja.

      Wenn Sie meine Kommentare hier in Marcels Blog genauso wie bei Inge Hannemann im Blog (unter gleichem Namen wie hier) lesen, dann wissen Sie, dass ich persönlich die Fallmanager, die wirklich viel tun, um den Arbeitslosen zu helfen, sehr schätze.
      Ich selbst habe auch genügend Erfahrung mit Fallmanagern in einem JC gemacht, und mich auch viel mit ihnen unterhalten, viele von ihnen sehen das HIV-System auch sehr kritisch, und die meisten von ihnen empfinde ich als sehr menschlich und hilfsbereit.

      Meine Aufgabe aber ist es (das sehe ich persönlich als meine „Arbeit“ an), immer wieder auf den KERN der Problematik zu sprechen zu kommen, und darum spreche ich viel von einer „Bewußtseins-Wandlung“, die vonnöten ist, und die auch im Gange ist; diese betrifft Arbeitslose genauso wie Arbeitende und JC-Mitarbeiter.
      Ich finde, dass wir alle mal in uns tief rein spüren sollten, und uns alle wieder als EINE Familie sehen sollten, letztlich sind wir nämlich alle zutiefst miteinander verbunden, auch dann, wenn viele das nicht immer oder gar nicht spüren.

      Es ist richtig, dass ich da die „Meßlatte“ oder den Anspruch sehr hoch lege, andererseits drücken unsere Grundgesetze auch sehr hohe menschliche Ideale aus, und ich bitte immer wieder um nichts anderes, als sich der Inhalte solcher Artikel immer wieder bewußt zu machen.
      Würden wir uns an diese halten, sehe die Gesellschaft ganz anders aus.
      Meiner Meinung nach darf man die Ansprüche gar nicht niedriger ansetzen.
      Und meinetwegen kann sich da gerne jeder als Held, Jesus oder Gandhi sehen, denn ob nun Jesus oder Gandhi oder andere: Sie alle lebten einfach MENSCHLICHKEIT und die Verbundenheit untereinander, und nahmen all die Verfolgungen und Bestrafungen der herrschenden Elite in Kauf.
      Für mich sind sie keine Helden gewesen, sondern sie waren einfach nur MENSCH.

      Wer z.b. als Fallmanager Standardbriefe verschickt, verschickt ja auch „Rechtsbelehrungen mit Sanktionsandrohungen“, allein das sehe ich als Verstoss gegen Artikel 1 GG an.

      Ich rede hier nicht von Schuld eines Mitarbeiters, sondern ich will lediglich immer wieder an diese Tatsachen erinnern. Wir müssen ALLE aus diesem System aussteigen.
      Frau Hannemann ist diesen Weg auch gegangen, und sie weigerte sich, Sanktionen zu verhängen, versuchte intern was zu verändern, und weil das nicht voranging, machte sie einen Blog auf und schrieb über Missstände.

      Genauso macht es Marcel mit diesem Blog, ungeachtet der Drohungen, die auch er schon von der Regionaldirektion erleben durfte (siehe entsprechenden Artikel im Blog).

      Auch die beiden sind keine Helden, sondern MENSCHEN mit einem Gefühl für Verbundenheit aller Wesen miteinander.

      Also, was sie „hohe Meßlatte“ nennen, nenne ich einfach: Gelebte Menschlichkeit, mehr, aber auch nicht weniger ist es im Grunde nicht.

    • Unbequem says :

      Niemand ist gegen Sie Burkhard. Ich kenne Ihre Vita nur aus Ihrem Blog, Sie kennen die meine… überhaupt nicht.

      Sollen wir uns jetzt gegenseitig unsere für die Gesellschaft förderlichen „vorbildlichen“ Lebensleistungen aufzählen?
      Und nur wer da am meisten punktet, darf sich dann hier kritisch zu Wort melden?
      Lassen Sie ihre persönlichen Empfindlichkeiten und pädagogischen Ansätze einmal außen vor und Sie werden feststellen, dass meine Erwartungen an eine funktionierende Gesellschaft nichts mit Heldentum, Gandhi, oder Jesus zu tun hat, sondern lediglich eine Verantwortung von jedem einzelnen erwartet, der in einer Gemeinschaft lebt.

      Welche Widrigkeiten und persönliche Präferenzen einige Menschen daran hindert, ihre Verantwortung für eine funktionierende Gemeinschaft zu übernehmen, haben Sie ja umfangreich beschrieben.

      Entbindet sie das von ihrer Verantwortung, ich denke Nein. Was Sie gering-schätzend als „Geste“ bezeichnen, höre ich tagtäglich in abgewandelter Form: „Was kann ich alleine schon bewirken“.

      Das Gegenteil von Mutlosigkeit ist noch kein Heldentum Burkhard, sondern Bürgerpflicht, auch und besonders gegen Widrigkeiten.

      Ihr propagierter „Widerstand“ von innen heraus, scheitert doch genau an den gleichen Widrigkeiten, wie oben von Ihnen beschrieben. Sie bekommen doch in den eigenen Reihen ebenso wenig Leute zusammen, wie die ganzen Arbeitsloseninitiativen über die ganzen Jahre.

      Der feine Unterschied, viele Hartzler sind nicht mehr in der komfortablen Lage sich diesem menschenunwürdigen System unter dem Hinweis auf ihre Verantwortung für Familien und Kinder zu entziehen… ganz im Gegenteil.
      Hier wird ganz bewusst Familie und Kinder als repressives Element genutzt.

      Alleine schon aus dieser Verschiebung der Verhältnismäßigkeit, stellt sich bei mir so keine rechte Empathie für Ihre Klientel der Agentur- und Jobcenter Mitarbeiter_innen ein, Burkhard.

  9. Burkhard Tomm-Bub says :

    Guten Tag.
    Das klärt ein wenig.
    Aber aus meiner Sicht noch weitaus nicht genug.
    Ich bin evtl. falsch vorgegangen. Und versuche es jetzt anders.
    Ich frage: was genau wird gefordert und verlangt. Welche Handlung, oder welche Handlungen? Bis jetzt war das alles wohlklingend – aber sehr allgemein – abstrakt.
    Das muß wohl zuerst definiert sein, bevor man weiter diskutiert.

    Eine Richtigstellung noch: ich habe durchaus einiges erreicht intern. Für die Kundinnen und Kunden.
    Und da bin ich mit Verlaub, durchaus stolz drauf. Obwohl es eigentlich nur dem Urkonzept entsprach (welches im Rückblick von Oben von Anfang an verraten und den Bach runter gefahren wurde).

    Gruß
    BTB

    • Andreas Abels says :

      Hi BTB,

      also ich persönlich fordere ja nichts, fördern und fordern tun nur andere (vor allem fordern). 😉

      Als Handlung wünsche ich mir von Fallmanagern und generell von JC-Mitarbeitern, dass sie aufstehen, und eben NICHT mehr für ein System arbeiten, welches zutiefst menschenverachtend ist.

      Ich bezweifle gar nicht, dass sie oder andere als FM viel für die Arbeitslosen tun, aber sie können das nun innerhalb des Systems machen, und das ist das Dilemma.

      Ich habe vor vielen Jahren einen gut bezahlten Job als Akademiker deshalb hingeschmissen, weil ich einfach nicht mehr für Versicherungen arbeiten konnte. Ich merkte schnell, dass Lebensversicherungen eine Lüge sind (man kann das Leben nicht „versichern“, es bleibt immer „unsicher“), und dass viele versteckte Kosten mit eingerechnet sind, welche der Kunde gar nicht mitbekommt.

      Ähnlich ist das eben mit dem System HartzIV, es baut auf einer großen Lüge auf. JV-Mitarbeiter, die ein Herz haben, wissen das auch, und sie sollten aufhören, für dieses System zu arbeiten.
      Machen sie es trotzdem, doktern sie nur an Symptomen herum; das mag kurzfristig helfen, jedoch muss es darum gehen, langfristig Lösungen zu finden.

      Ja, sie müssten aufstehen, und aufhören für das JC zu arbeiten. Wenn sie den Arbeitslosen wirklich helfen wollen, sollten sie das nicht tun, indem sie gleichzeitig für ein verbrecherisches System arbeiten.

      Das mag für Sie und viele zu krass sein, aber so sehe ich das, sonst wird sich nie etwas grundlegend ändern.

      Wenn wirklich viele aufstehen, und die Arbeit niederlegen, dann MUSS sich das herrschende System endlich bewegen, denn ohne seine Mitarbeiter bricht das System zusammen.
      Schwerstverbrecher ohne seine vielen, kleinen Mithelfer haben eben keine Chance, weiterhin Schwerstverbrechen zu begehen.

    • Unbequem says :

      Sie erwarten jetzt von mir keine Lösungsvorschläge?

      Ich möchte keine Forderungen stellen, die sich in der Realität wegen der unterschiedlichsten Interessen einzelner nicht werden umsetzen lassen. Aber all das wissen Sie ja sicher besser als ich, nicht wahr.

      Ich verstehe Ihre verinnerlichte pädagogisch-erzieherische Haltung sich vorzugsweise nur mit produktiven Ansätzen zu beschäftigen. In welche Richtung sich mittlerweile Pädagogik und Erziehung entwickelt haben und noch entwickeln werden, lässt nicht gerade Hoffnung für kommende Generationen aufkommen, was Empathie, Ethik, Sozialisation, etc. anbelangt.

      Ich denke jeder von uns, der sich schon immer kritisch mit den herrschenden Verhältnissen auseinander gesetzt und sich für Veränderungen stark gemacht hat, kommt irgendwann an den Punkt an dem er entweder resigniert, oder zum Einzelkämpfer wird. Fast hätte ich vergessen diejenigen zu erwähnen, die sich auf die „andere Seite“ schlagen. Aus gutem Grunde. Diese „Spezies“ hat sich selbst aus der Gemeinschaft entlassen und die möchte ich, anders als Herr Abels, auch nicht mehr erreichen.

      Seit den frühen siebziger Jahren war ich engagiert in Jugend, Arbeiter- und Gewerkschaftsinitiativen. Habe über die Jahre einige Betriebsräte mit gegründet und ausgestaltet. Aus heutiger Sicht kann ich eines ganz klar konstatieren: das größtmögliche Risiko ist der Faktor Mensch.

      Auch aus diesem Grunde stelle ich keine Forderungen, sondern appelliere an einen Restbestand an Mitmenschlichkeit. Sein Handeln danach auszurichten, dazu bedarf es keiner konkreten Forderungen, nur ein Besinnen.

      Zu Veränderungen wird es kommen wenn die politische Kaste ihren Kurs beibehält, keine Frage. Allerdings werden diese Veränderungen und Massenbewegungen nur wenig mit geändertem Bewusstsein zu tun haben, sondern mit einem sich nach außen bahnbrechenden Leidensdruck.

      Vertreiben wir uns die Zeit bis dahin, indem wir uns gegenseitig mit sog. konstruktiven Forderungen und Vorschlägen zu Tode langweilen?

      Das ganze Konsens- und Lösungsvorschläge Gelaber von Salon-Revoluzzern habe ich lange genug erlebt und hat uns letztendlich auch nur dorthin gebracht wo unsere Gesellschaft heute steht. Ohne sich die Hände schmutzig zu machen, gibt es keine tiefgreifenden Veränderungen, da beißt die Maus keinen Faden ab.

      Und da der Mensch bekanntermaßen eine natürlich Angst vor einem Morgen danach hat, drehen wir uns weiterhin solange im Kreis, bis uns die Realität kalt erwischt.

  10. Burkhard Tomm-Bub says :

    Guten Tag Andreas Abels.
    Da ich keinen bekannten Anlass habe Ihnen nicht zu glauben, glaube ich Ihnen.
    Meinen Respekt.
    Sie haben den Job selbst aufgegeben. Und das wäre auch, sagen wir dann Ihr „Vorschlag“ an die Fallmanger_innen.
    Das tun in gewisser Weise etliche. Vor allem solche, die qualifiziert sind und vordem bei der Kommune gearbeitet haben. Die bitten um Rückversetzung, achten verstärkt auf interne Stellenausschreibungen – und weg sind sie.
    Folge: der Anteil der anders qualifizierten, der Berufsanfänger, der Fallmanager_innen mit Zeitvertrag stieg immer weiter. Nicht beweisbar, aber ein subjektiver Eindruck: man schien jüngere, zuvor arbeitslose, etc. zu bevorzugen.
    Über die Folgen der Manipulierbarkeit und „Druckempfindlichkeit“ und letztlich hinsichtlich des Kund_innen – Wohls … brauche ich wohl leider nichts zu sagen.
    Ist alles keine Theorie: ich war dabei, habe es mit angesehen.
    MfG
    BTB

    • Andreas Abels says :

      Nun ja, mir erzählt meine Fallmanagerin ja auch immer so einiges, sie ist da sehr offen…wenn ich offen rede -so meine Erfahrung- tun das selbst auch viele Fallmanager, und man merkt ihnen allen den Frust an.
      Sie hat auch einen Zeitvertrag, und bangt jedes Mal um eine Verlängerung.

      Ich denke, die ARGE wäre diesen Weg so oder so gegangen, da immer mehr Unternehmen in den letzten Jahren mit Zeitverträgen, Werksverträgen und Leiharbeit die Jobs besetzen.
      So kann man Mitarbeiter ja auch leichter wieder loswerden, billiger ist es ja meistens auch noch für die Unternehmen…

      Das „Kunden-Wohl“ ist nun mal nicht das höchste Anliegen, welches dieses herrschende System verfolgt, es verfolgt in erster Linie immer das Kleinhalten der Bevölkerung, das geht natürlich mit Druck und Existenzängsten am Besten.
      Und wenn die JC-Mitarbeiter dann auch noch Angst um ihren Job haben (mit Zeitverträgen erst recht), sind sie leichter manipulierbar.

      Darum: Aufwachen, Aufstehen und nicht mehr Mitarbeiten, und dem System auf diese Weise den Boden unterm Hintern wegziehen.

  11. Unbequem says :

    Wie ich finde eine treffende Beschreibung. Es ist genau diese produzierte geistige Leere in den Köpfen der Massen, ohne die dieses System nicht funktionieren könnte,

    http://feynsinn.org/?p=19315

    Entweder macht diese Verblödung auch vor den eigenen selbsternannten Eliten keinen Halt – bestes Beispiel Merkels Gefasel von einem Nato- oder EU Mandat im Zusammenhang einer militärischen Intervention in Syrien.

    Oder aber, man hält das Volk schon für so dämlich, dass man sich keine Mühe mehr geben muss intelligenter zu lügen.

    Ich halte mich an den Spruch: Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.

  12. Unbequem says :

    Wie wäre es denn einmal mit Zivilcourage?

    http://bodenfrost.wordpress.com/2013/02/18/feuerwehrleute-verhindern-zwangsraumung-in-spanien/

    Lässt sich beliebig auf all jene Berufssparten erweitern die es leid sind,
    tagtäglich ihre Mitmenschen mittels Repressionen zu drangsalieren.

  13. Burkhard Tomm-Bub says :

    Herr oder Frau Unbequem.
    Gut, das ist ein etwas konkreteres Beispiel. Wie wahrheitsgetreu und detailliert es berichtet wird, kann man aus der Ferne schlecht prüfen.
    Beliebig auf alle Berufssparten erweitern. Ja, ja.
    Und übrigens. Ich und etliche Andere taten alles andere als, „tagtäglich ihre Mitmenschen mittels Repressionen zu drangsalieren“, nur damit das mal klar gestellt ist.
    Ich denke Ihr Schwarz – Weiß – Denken und ihre Bewunderung für einzelne Heldentaten führt nicht wirklich weiter.
    Als gutes Beispiel kann man so etwas anführen, ohne Weiteres.
    Wissen Sie ich habe den Hals innen und aussen voller Krebsnarben. Und ich war bei der ersten occupy – Räumung in Frankfurt dabei, an der Paulskirche, etc. Und ich filme mit offenem Visier und nicht anonym bei Anti – NPD – Demos.
    So völlig ohne Courage bin ich Repressionsdrangsalierer nicht, denke ich.




    Aber nicht einmal dafür ist JedeR geboren. Es gilt, kluge und kreative Vorgehensweisen zu entwickeln, um die Basis breiter zu machen und Mut zu wecken. Gangbare Wege müssen vorerkundet und erdacht werden.
    Gruß
    BTB

    • Unbequem says :

      Niemand stellt Ihr Engagement in Abrede und ich habe Sie persönlich auch nicht als Drangsalierer von ALG II Empfängern bezeichnet, Burkhard.

      Wenn Sie die Kraft der Demos im Jahre 2013 immer noch für Zielführend erachten, gleichzeitig noch in der Entwicklungsphase verharren um ang. kluge und kreative Vorgehensweisen zu entwickeln, ist das im Jahre zehn nach Einführung von Hartz IV nicht gerade ermunternd.

      Ich mache Ihnen keinen Vorwurf Burkhard, ich kenne die Menschen mindestens so lange wie Sie. Aber genau diese „Schwächen“ nutzt das System. Wo Sie und ihre kreativen Köpfe noch erkunden, schafft die „Gegenseite“ Fakten per Gesetz.

      Dazu muss man kein Schwarz-Weiß Denken bemühen, sondern den Finger auf die Wunde legen.

      Demos sind wichtig, damit Dinge nicht in Vergessenheit geraten, aber als Massenbewegung völlig ungeeignet. T’schuldigung wenn ich es so direkt sage, aber eine Vielzahl der Bevölkerung ist nun einmal indoktriniert, manipuliert und mittlerweile verblödet.
      Die bekommen Sie nur noch als Pöbel auf die Straße, auch nur dann, wenn es ihnen richtig dreckig geht.
      Aber diese Massenbewegungen möchten wir Beide nicht, oder?

      Ach… sich einmal die Mühe machen und auf meinen Avatar klicken, dann beantwortet sich Ihre ein wenig krampfig-ironische Anrede von selbst. 😉

  14. Unbequem says :

    Ist hier zufällig ein Psychologe an Bord? Ich hab’s die letzte Zeit mit der Zahl 13
    In anderem Zusammenhang hatte ich auch schon mal die Bundestagswahl auf den 13.09. vorverlegt… ohne jede Überlegung!

    Man oh man… es geht doch nix über: Erst Denken dann Handeln.

    Gefühlte 13 Jahre nach Einführung von Hartz IV im Jahre 2005 🙂

  15. Ash-Li says :

    Die 13 bedeutet „Transformation“… „Veränderung… – Wie Du es gerne hättest!

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