Gibt es in Deutschland einen Fachkräftemangel?

Vielleicht können wir dieses Wort „Fachkräftemangel“ schon gar nicht mehr hören. In unserem Studium wird der Begriff sehr häufig gebraucht. Über das Thema sind die unterschiedlichen Meinungen innerhalb der Hochschule ungleich vertreten. Auf der einen Seite, die eingeladenen Gäste aus den Regionaldirektionen (übergeordnete Stellen der Arbeitsämter) und Professoren/Dozenten, die der Auffassung sind, dass der Fachkräftemangel ein Hauptproblem ist, bzw. es in Zukunft werden wird. Auf der anderen Seite gibt es einen Professor, der der Ansicht ist, dass ein Fachkräftemangel nicht existiert und auch in Zukunft nicht vorhanden sein wird.
Um zu klären, ob es einen Fachkräftemangel gibt versuche ich den Begriff für die folgende Darstellung zu erläutern. Ein allgemeiner Mangel existiert, wenn das Angebot an Arbeitskräften (ArbeiterInnen) auf dem Arbeitsmarkt geringer ist, als die Nachfrage nach Arbeitskräften (KapitalistInnen). Ein Mangel an Fachkräften im konkreten, besteht dann, wenn es zu wenige ArbeiterInnen mit Berufsabschlüssen gibt. Oftmals wird ein solcher Mangel besonders für die Ingenieurberufe beschworen. Was ist nun an dieser Behauptung dran?
Meine Ausführungen basieren auf einem Bericht des eher neoliberalen Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). In einem Wochenbericht (Nr. 46/10) vom 18. November 2010 stellen sie ihre Forschungsergebnisse über die naturwissenschaftlich-technischen Berufe zusammen. Dabei führen sie 3 Hauptargumente auf, um den Fachkräftemangel zu widerlegen:

1. Stagnierende bzw. gering steigende Löhne für Fachkräfte
Im neoklassischen Verständnis wird der Lohn auf dem Arbeitsmarkt mit dem Preis auf den Gütermärkten gleichgesetzt. Dieses Verständnis ist bereits ausdrücklich zu kritisieren, da Lohn nicht einzig das Resultat aus dem Arbeitskräfteangebot und der –nachfrage ist. Meiner Meinung nach kann es in diesem System auch als Indiz betrachtet werden. Der DIW hat folgende Entwicklung beobachtet: „Die Fachkräfte schnitten bei der Lohnentwicklung seit 2009 nicht besser ab als die übrigen Arbeitnehmer, im verarbeitenden Gewerbe und in dessen Kernbereich, dem Investitionsgüter produzierenden Gewerbe, sogar etwas schlechter […]“. Wenn ein dringender Mangel da wäre, würden die KapitalistInnen sicherlich versuchen über höhere Löhne, aber auch über bessere Arbeitsbedingungen, etc. noch mehr ArbeiterInnen anzuwerben. Dies scheint allerdings nicht der Fall zu sein.

2. Ausreichender akademischer und beruflicher Nachwuchs
Die Zahl der Studierenden in den naturwissenschaftlichen-technischen Fächern ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Der Anstieg in diesen Bereichen ist viel stärker ausgefallen, als die Gesamtentwicklung der Studierenden. Neben der Anzahl der Erstsemester ist auch die Zahl der AbsolventInnen deutlich gestiegen. Von einem Mangel an Nachwuchskräften kann kaum die Rede sein. In dem wichtigen Bereich der Maschinenbau- und Fahrzeugbauingenieure hätte der Bedarf an Fachkräften allein mit den StudienabsolventInnen gedeckt werden können!
Bei diesem offensichtlichen Problem kommt auch das Arbeitsamt ins Spiel. Schließlich ist es wichtig junge Menschen nicht nur in Modeberufe zu beraten, sondern offen zu beraten und auf die Bedürfnisse der jungen Menschen eingehen. In dem Ingenieurbereichen sind sicherlich viele, auch außerhalb des Arbeitsamts der Meinung, dass in diesem Bereich gute Perspektiven vorhanden sind. Mit dieser Auffassung wäre ich sehr vorsichtig, aufgrund der dargelegten Situation durch den DIW. Der DIW erkennt für die Zukunft höchstens Probleme für den Ausbildungsbereich. Meine Empfehlung ist daher, dass mensch nicht in diese Branche gehen sollte, nur weil er glaubt, dass die Jobaussichten dort so gut aussehen. Als erstes Auswahlkriterium für den Job sollte das Interesse stehen. Schließlich wird der Job einen Großteil vom Leben ausmachen. Und da ist es doch umso besser, wenn der Job Spaß macht!

3. Die aktuelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt
Da die amtlichen Zahlen nur ein Teil der tatsächlichen Situation widergeben, stellt der DIW in diesem Bereich lediglich Indizien fest. Zum einen ist die Zahl der erwerbslosen Fachkräfte gestiegen. Dagegen haben die offenen Stellen abgenommen. „Bei fast allen Fachkräften ist die Zahl der Arbeitslosen höher als die Zahl der offenen Stellen […]“. Auch der Anstieg der Beschäftigung von IngenieurInnen zwischen 2005 und 2010 von 1,4% ist im Vergleich zu 1,1% bei den anderen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen nicht ungewöhnlich hoch.
Nach diesem Bericht zufolge ist ein Fachkräftemangel in dem naturwissenschaftlichen-technischen Bereich nicht vorhanden. Den Befürwortern des Fachkräftemangels bleibt daher nur noch das Argument vom „demografischen Wandel“. Die Prognose ist, dass das Erwerbspersonenpotenzial (kurz: EPP; Menschen im erwerbsfähigen Alter, also zwischen 15 und 65)in Deutschland abnehmen wird. Diese Grundannahme halte ich für plausibel, ich bezweifle allerdings starke Übertreibungen von dem kommenden Rückgang.
Oberflächlich betrachtet gibt es Sinn, aufgrund eines Rückgangs des EPP´s auf einen kommenden Mangel an Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt auszugehen. Für diese Argumentation gibt es sehr schlüssige Gegenargumente. Zum einen steigt die Produktivität (Menge/Zeit) jedes Jahr und ermöglicht somit theoretisch Arbeitsvolumen einzusparen. Die gleiche Produktionsmenge kann in einer kürzeren Zeit hergestellt werden. Wir könnten sehr viel Arbeit einsparen, wenn wir das Automatisierungspotenzial voll ausschöpfen würden und nicht auf die Überproduktion setzen würden. Zum anderen ist es nicht absehbar, wie sich das Erwerbsverhalten der Menschen entwickeln wird (steigende Frauenbeschäftigung, früherer Eintritt in das Erwerbsleben, längere Erwerbszeiten durch Erhöhung des Renteneintrittalters, etc.). Außerdem haben wir zurzeit eine Massenarbeitslosigkeit. Mindestens 4,5 Millionen Menschen sind erwerbslos. Wie paradox ist es da von einem Fachkräftemangel zu sprechen?
Meiner Meinung nach wird er Fachkräftemangel herbeigeredet. V.a. von ArbeitgeberInnen, die gerne eine größere Auswahl an Arbeitskräften zur Verfügung haben möchte. Damit haben sie ein höheres Druckpotenzial gegenüber den ArbeiterInnen. Natürlich ist das Thema auch ein Politikum, da mit der Betonung vom Fachkräftemangel, dass Problem der Massenarbeitslosigkeit kleingeredet werden. Damit soll der Bevölkerung vermittelt werden, dass alle Menschen eine Chance auf einen Arbeitsplatz haben.
Dass diese Behauptungen unrealistisch sind, sehen wir täglich.

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22 responses to “Gibt es in Deutschland einen Fachkräftemangel?”

  1. Volker says :

    Nein, wir haben keinen Fachkräftemangel. Die Gründe, die dagegensprechen hast Du in deinem Beitrag dargelegt. Schon der erste Punkt ist einleuchtend. Eine höhere Nachfrage zieht immer einen höheren Preis nach sich. Ob der sich auf dem Fachkräftemarkt dann dadurch äußert, das höhere Löhne gezahlt werden oder sonstige Anregungen geboten werden (mehr Urlaub, besser Aufstiegschancen etc.) ist dabei nebensächlich. Auf jeden Fall würden sich die Unternehmen darum bemühen, Anreize zu schaffen und sich gegenseitig die Mitarbeiter abwerben. Ebenso würde verstärkt in die innerbetriebliche Aus- und Weitebildung investiert werden, um so einem Mangel entgegen zu wirken. All das passiert nicht. Eher das Gegenteil.

    Es besteht aber trotzdem ein Mangel. Ein Mangel an „billigen“ Fachkräften. Wenn die Wirtschaft nur lange und intensiv genug jammert, wird es die Politik schon richten, das man Schritt für Schritt das bestehende Personal durch kostengünstigeres ersetzen kann. Man muss dem Volk nur lange genug erzählen, wie schlecht es um den Facharbeitermarkt bestellt ist (trotz hoher Arbeitslosigkeit), dann kann man problemlos die entsprechenden Kräfte aus dem Ausland beziehen. Griechen sind im Moment billig zu bekommen. Wer will noch mal, wer hat noch nicht?

  2. Berthold Kogge says :

    Ich würde mal behaupten, dass die Wahrheit, wie so oft in der Mitte liegt.

    Wir haben ein Fachkräftemangel – in einigen Bereichen. Das wird aber dann, aus den Gründen die „Volker says“ genannt hat, dann aufgebauscht um eben eine gewisse politische Aussage zu machen.

    Man übertreibt maßlos, um dann seine Interessen durchzusetzen.

    Das ist nichts anderes wie, ein Arbeitslosen hat man dabei erwischt, dass er auf Malle den Lenz macht, fünf hat man bei Schwarzarbeit erwischt, also sind alle Arbeitslose Abzocker und man sollte mit dem ganzen Quatsch von ALG, egal ob 1 oder 2, aufhören.

    Man sucht – und findet – eine Nadel im Heuhaufen und freut sich dann behaupten zu können, der ganze Heuhaufen ist von Nadeln durchsetzt. Was na klar falsch ist, aber nichts daran ändert, dass „EINE“ Nadel im Heuhaufen war, die man als Beweis auch jedem zeigt.

  3. tintenkleks says :

    Es gibt keinen Fachkräftemangel. Es gibt Massenarbeitslosigkeit, die künstlich erzeugt wird um Druck auf die Lohngestaltung auszuüben.
    Niedrige Löhne sind nahezu das einzige Mittel um die Profite zu steigern. Natürlich einhergehend mit so wenig Arbeitnehmern wie nötig.

    Wer demnach glaubt, die Industrie hat ein Interesse daran mehr Arbeitsplätze (Fachkräfte) zu schaffen, der kann eins und eins nicht zusammen zählen.

    „Fachkräftemangel“ im produzierenden Gewerbe ist also der fehlenden Investitionsbereitschaft der Unternehmen geschuldet. Im Dienstleistungssektor liegt die Schuld ausserdem in der miesen Bezahlung.

  4. felixccaa says :

    Hat dies auf felixccaa rebloggt und kommentierte:
    Add your thoughts here… (optional)

  5. Berthold Kogge says :

    @Tintenklecks

    Einfach zu behaupten, es gäbe keinen Fachkräftemangel, ist genauso substanzlos, wie die wahnsinnige Übertreibung, dass es den Mangel in Massen gibt.

    Genauso Ihre Behauptung, dass niemand Arbeitskräfte schaffen will, ist reiner populistisches Klassenkampfgetöse, genauso falsch, wie die Gegenseite es von sich gibt.

    Wobei, wenn ein Unternehmer einen Ingenieur einstellen will, will er keinen Arbeitsplatz schaffen, er braucht nur eben einen Ingenieur, damit er Umsätze generieren kann.

    Klassenkampfgetöse, egal von welcher Seite und gegenseitige Schuldzuweisungen, haben noch nie was gebracht.

    • tintenkleks says :

      Ich bleibe dabei, gesteuerte Massenarbeitslosigkeit führt im Ergebnis natürlich auch zu einem Fachkräftemangel. Diese Entwicklung ist aber von den Unternehmen, unter Mithilfe der Politik, so gewollt… die Erklärung habe ich bereits gegeben.

      Wie Sie bereits richtig erkannt haben, kommt es allerdings branchenspezifisch immer mal wieder zu einem Fachkräftemangel. Das bestreite ich überhaupt nicht. Die Gründe sind so vielfälltig wie banal.
      Fehlende Investitionen in Zeiten der Krise zum Beispiel, um nur einen gewichtigen und aktuellen Grund zu nennen.
      Hochschulabsolventen vs. Arbeitsplatzangebot, bestes Beispiel BWL-Studium.

      Deswegen bleibe ich bei meiner Aussage. Es gibt keinen Fachkräftemangel, wie ihn uns die Politik und Wirtschaft glaubend machen will.

      „Genauso Ihre Behauptung, dass niemand Arbeitskräfte schaffen will, ist reiner populistisches Klassenkampfgetöse, genauso falsch, wie die Gegenseite es von sich gibt.“

      Ja wie… was ist denn nun richtig Herr Kogge. Wenn der Markt ausgereizt ist, schmälert jeder zusätzlich geschaffene Arbeitsplatz den Profit, dass ist erstes Semester in Kapitalismus. Ihr favorisiertes Modell Herr Kogge.

      „… wenn ein Unternehmer einen Ingenieur einstellen will, will er keinen Arbeitsplatz schaffen, er braucht nur eben einen Ingenieur, damit er Umsätze generieren kann.“

      Sind Sie an der (falsch gestellten) Weiche in den siebzigern stehen geblieben?

      Lassen wir den Kinderkram Herr Kogge. Sie wissen so gut wie ich, dass wir hier nicht über den Mittelstand oder noch zu verteilende Märkte reden, sondern über das System.
      Da ist alles verteilt und Mittelstand ist nicht vorgesehen. Es geht schon längst um ein niederkonkurieren des Kontrahenten. Das Kapital frißt sich gegenseitig auf. Auf der Strecke bleiben die lohnabhängig Beschäftigten, die einzige Masse, aus der man noch Kapital – sprich Profit, herausschlagen kann.

      • Callisto says :

        Natürlich gibt es auch einen Fachkräftemangel, aber oft in Bereichen, die finanziell dermaßen unattraktiv sind, dass man schon Idealist sein muss, diesen Job zu erlernen. Ein Beispiel wären da die Pflegekräfte: Schichtdienst, geringer Lohn, Überlastung, ganz ehrlich, wer wird diesen Beruf ergreifen? Diese Branchen klagen natürlich auch über Lehrlingsmangel, darunter z. Bsp. auch die Gastronomie.
        Ich kennen haufenweise arbeitslose Fachkräfte (Akademiker). Die merken nichts von Mangel, genausowenig wie ich. Als promovierte Naturwissenschaftlerin habe ich mir mehrfach in Bewerbungsgesprächen anhören müssen „Eigentlich perfekt, aber bei Ihrem Lebenslauf überqualifiziert“. Selbst wenn man als Wunschlohn nur den TVÖD angab, war spätestens an dieser Stelle bei den Chefs vieler (mittelständischer) Betriebe am Gesicht abzulesen, dass das das KO Kriterium war. Und Tschüss, da nehmen wir uns einen Bachelor oder Master.
        Es werden tatsächlich eher billige Fachkräfte gesucht. Das frechste Angebot, dass eine Bekannte bekam: 50% Stelle, 40% Lohn, 80% Arbeiten.

  6. Andreas Abels says :

    Ja, in Deutschland sucht man vor allem billige Arbeitskräfte, das Motto lautet ja immer gern: „Hauptsache Arbeit!“

    Wie gering muss das eigene Selbstvertrauen sein, wenn man erst eine gute Ausbildung macht (in der man eh schon wenig verdient), und dann mit gutem Abschluss auch noch für billiges Geld arbeitet?

    Viele der Fachkräfte, die mehr Selbstvertrauen haben, gehen daher ins Ausland, z.b. Kanada, wo inzwischen viele deutsche Handwerker, LKW-Fahrer und auch Ingenieure arbeiten.
    Kanadische Berater / Vermittler kommen extra nach Deutschland, um deutsche Fachkräfte abzuwerben.

    Sie arbeiten da nicht weniger, eher sogar stundenmäßig mehr, aber sie verdienen oft das Dreifache (!) wie hier in Deutschland, und man bietet ihnen oftmals bessere Arbeitsbedingungen.
    Kein Wunder also, dass viele ins Ausland gehen.

    Auch die skandinavischen Länder bieten Fachkräften bessere Arbeitsbedinungen und mehr Geld. Lebenshaltungskosten sind da wohl höher, dennoch verdienen sie soviel, dass sie am Ende mehr übrig haben, um vernünftig leben zu können und nicht nur zu überleben.

    • xyz says :

      ich kenne da einen Fall, wo ein 51jähriger, der in DE jahrelang keine Stelle mehr als Tischler fand, ohne Probleme in dem Alter in Dänemark eingestellt wurde, dort arbeitet er nun bis zur Rente, wurde sogar Abteilungsleiter! In dem Alter hat man in DE Null Chancen. Der Ökonom Posen sagte letztens, seit 2001 ist in keinem Industrieland so wenig investiert worden wie in DE. Auch der Konsum ist hier nicht so ausgeprägt, wie anderswo gewachsen. In Wirklichkeit ist DE wirtschaftlich nicht so gut darstehend, wie behauptet wird.
      Hier wird wenig investiert, daher entstehen auch kaum neue Stellen.

      Posen sagte ja auch, der Weg über den Niedriglohnsektor zu wachsen ist für entwickelte Volkswirtschaften falsch. Das Wachstum muss über Investitione und Innovationen gehen, nicht über Lohndrückerei. Langfristig wird so Volksvermögen vernichtet. Die EU Krise hat ja auch mit den Ungleichgewichten in der EU zu tun. In DE sind die Löhne gesunken, in den anderen Ländern stiegen sie.

    • xyz says :

      in DE hat man traurigerweise ab Ende 30 schon schlechte Chancen überhaupt eine Stelle zu finden. Ich überlege auch, ob ich mit meinem Studiumabschluss nachher im Ausland nachsehe, No, DK, SE, Schottland? Keine Ahnung. Ich studier über den 2. Bildungsweg, bin für den Deutschen Arbeitsmarkt nachher zu alt. In meiner Behörde gibts für mich keine besser bezahlte Stelle, weil wg. Schuldenbremse immer mehr abgebaut wird — ein „Alter“ geht in Ruhestand und es kommt kein neuer nach. DE stellt wenn, dann auch nur noch Ingenieure ein, leider hab ich ein anderes Fach studiert.

      studiert habe ich, weil es in meinem alten Beruf null Aufstiegschancen gibt und ich nicht mein leben lang mit Mille Euro nach Hause gehen wollte. Das kann ich mir nicht leisten, nachher kommt Altersarmut.

      Nun hab ich zum Glück Bekannte in Norwegen und meine Mutter eben in Dänemark. Wäre eine Überlegung wert, es dort zu probieren: Sprache noch lernen, englischen Master wählen und dann los.

      in DE wird auch in vielen Bereichen über Bedarf ausgebildet, das betrifft Ausbildungen und viele Studienberufe. Man hat den Akademikermangel auch falsch verstanden.

    • xyz says :

      Ich kann dir gerne Erfahrungsberichte meines Bekannten aus einem ECHTEN Fachkräftemangel erzählen:

      der eine Bekannte von uns in Norwegen ist Ingenieur, sein Kommentar: “ in No ist es wesentlich einfacher als in DE eine Stelle zu finden“

      mein anderer Bekannter, LKW-Fahrer, hat in No schon als Schulassistent gearbeitet, nun in einer Baufirma:“ in Norwegen braucht man nicht für alles eine Ausbildung. In viele Berufe kann man quer einsteigen. Alles wird nach Tarif bezahlt, Minijobs gibts in Norwegen nicht. Die Einkommensdisparitäten sind geringer, Handwerker verdient fast genausoviel wie Lehrer und Krankenschwester. Pünktlich um 15.30 h wird bei ihm Feierabend gemacht, Überstunden extra vergütet. Auch er sagt, es ist wesentlich einfacher dort eine Stelle zu finden. Gerade im ländlichen Raum.

      Norwegen räumt seinen Arbeitsmarkt über den öffentl. Sektor, vor allem Frauen arbeiten dort. Ca. 34% aller Arbeitnehmer sind im öffentl. Sektor beschäftigt. Pflege, Kinderbetreuung, Schulassistenten gehört dazu.

      so in etwa musst Du Dir einen Mangel vorstellen. Hinzu kamen steigende Löhne in Norwegen und sinkende Reallöhne in DE. Alles wird nach Tarif bezahlt, alles ist mit sv-pflichtig. Man ist in No also besser abgesichert. Zeitarbeit verdient da genauso viel wie Festangestellte.

    • xyz says :

      in DE wird übrigens auch der Ausbau der Kinderbetreuung zu einem Teil mit Minijobs organisiert. Die Minijobs sind ein Problem. Es gab aus Ländern wie Belgien auch vor der EU vor kurzem Beschwerden gegen die Minijobs, denn in den anderen Ländern sind alle Stellen in der sv-pflicht und die Arbeitnehmer dann abgesichert. In DE – v.a. ländlicher Raum – sind Minijobwüsten entstanden wo man fast keine anderen Stellen mehr kriegt. Ganze Ausbildungsberufe wandern in diesen Sektor bzw. bilden wir Leute mit Ausbildung aus und diese meist Frauen finden dann oft nur Minijobs.

      in manchen Kreisen arbeitet im „Fachkräftemangel“ nun fast schon jede 2.-3. Frau nur noch im Minijob. Auch das Hinwegorganisieren der Kinder geht in vielen Städten nur noch darum.

      in Kiel werden Horte geschlossen und betreute Grundschulen entstehen neu. Statt wie früher im Hort nimmt man nun nicht mehr soz-pädagogische Assistentinnen, sondern stattdessen arbeitet man aus Kostengründen nun öfter mit MinijobberInnen.

  7. xyz says :

    Moinsen! Leider gibt es keinen Fachkräftemangel. wenn man die Engpassanalyse der ARGE kritisch liest, fällt einen auf, dass in den meisten Berufen absolute Fachkräfteüberschüsse vorhanden sind. Ich arbeite in einer Behörde neben dem Studium. Dort wird wegen Schuldenbremse alles kurz und klein kaputtgespart — viele die jetzt in Rente gehen werden nicht wieder ersezt, die Stellen entfallen. Auch in anderen Bereichen werden Stellen eher entfallen, auch weil künftig inländische Nachfrage fehlt, weil eben Löhne und Renten unterdurchschnittlich sich entwickeln. Im Landkreis wo meine Eltern leben, arbeiten bereits 35% aller Arbeitnehmer nur noch in Minijobs, bei den Frauen sind es 45% — in Norwegen, wo Bekannte von mir leben und vielen anderen Ländern gibt es keine Minijobs! Ich will ja nicht den Rifkin für Arme machen, aber auch durch Automation etc. fallen Stellen weg. Wer das beobachtet stellt fest, das es auch Dienstleistungen trifft, nicht nur Industriejobs.

  8. xyz says :

    problematisch ist auch die Erosion der sv-pflichtigen Normalarbeitsverhältnisse, auf Seite 15 ist es exemplarisch für ein Bundesland dargestellt, reflektiert aber auch den Bundestrend. Leider lagen hier nur Zahlen bis 2008 vor:

    sv-pflichtige Stellen erodieren, das Arbeitsvolumen stagniert fast bzw. wird Arbeit nur auf mehr Schultern verteilt. Andere Länder wie DK räumen den Arbeitsmarkt nur über öffentl. Dienste, da in diesen Ländern 27- 34% der Arbeitnehmer im Ö-Sektor arbeiten.

    http://www.ihk-schleswig-holstein.de/linkableblob/738404/.3./data/Studie_IAB_2010_Auswirkungen_Arbeitsmarkt_SH-data.pdf;jsessionid=3F9608EAB964BEB2017F25C11535B7C8.repl2

  9. xyz says :

    weil ich ja bald auf Jobsuche gehen muss, hab ich mir den Spaß erlaubt und bei der Zentralvermittlungsstelle Ausland der ARGE mal anzurufen — eine Frage von mir war auch, in welchen Berufen in DE denn nun ein Fachkräftemangel sein soll — mir wurde dann gesagt „Bäcker und Schlachter“

    nur mal so zur Info : Schlachten machen in SH Rumänen für 3,77 Euro — das sind die gesuchten Fachkräfte angeblich lt. dieser MA der ARGE.

  10. xyz says :

    und zum Thema Schlachtbranche: es liegen bereits Beschwerden von Frankreich, Belgien und Dänemark über DE bei der EU vor, weil dort durch Deutschen Niedriglohn DE gerade das Schlachthaus Europas wird — es ist billiger die Schweine bis nach DE zu fahren als noch zu dänischen und belgischen Mindest-und Tariflöhnen zu schlachten.

    Sie müssen halt billig sein.

    Der Azubi-Import klappt auch nicht so — viele von denen haben bereits eine Ausbildung und sollen sich in DE zu geringer Ausbildungsvergütung erneut ausbilden lassen, statt zu den Fachkraftlöhnen eingestellt zu werden — so kann man es auch machen — http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/suedeuropas-jugend-soll-ausbildungsplaetze-in-deutschland-erhalten-a-909070.html

    und viele der vermeintlichen Fachkraftmangelregionen sind nur deshalb im demographischen Wandel, weil dort Junge mangels Arbeitsgelegenheiten die Region verlassen mussten. Das kommt noch mit hinzu, z.b. Ost-DE.

  11. xyz says :

    eine Lösung für die Krise der Arbeit sehe ich in Ländern wie Holland, nicht in Skandinavien.

    in skandinavien räumt man ja die Arbeitsmärkte über öffentl. Sektor, weshalb man hohe Steuereinnahmen braucht. Die Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser sind dort staatlich oder semistaatlich.

    Skandinavien schafft es zwar, Frauen gute Stellen zu verschaffen im ÖD, hat aber Probleme mit Jugendarbeitslosigkeit, weil zu viel Vollzeit gearbeitet wird. Auch Frauen arbeiten dort eben oft Vollzeit.

    Das funktioniert nur zu Lasten der Jugendlichen.

    Holland hingegen hat sich zur Teilzeitgesellschaft entwickelt. Es gibt einen Rechtsanspruch auf Teilzeit für Mann und Frau. Sowohl in Führungspositionen als auch anderswo gibts weltweit die meisten Teilzeitler. Frauen mit 76%, Männer steigend mit 30%. Die Grundrente ist wie ein BGE von Vollzeitzwang entkoppelt. Arbeitgeber sind am Rentensystem aber auch noch beteiligt mit obligatorischen Betriebsrenten. Alle sind so abgesichert, keine Minijobs.

    ohne Reduzierung der Arbeitszeit steigt die Jugendarbeitslosigkeit an, deshalb ist Holland ein Modell. Statt Minijobs sind aber dort alle besser abgesichert in ihren Teilzeitstellen.

    eigentlich gibt es wg. steigender Produktivität in allen Ländern ein Überangebot an Arbeit und das Erwerbspersonenpotential ist durch die Frauen viel zu groß geworden. Man braucht eine Arbeitszeitreduzierung.

    http://www.ingenieur360.de/konjunktur/automation-erfordert-neuausrichtung-der-arbeitsmarktpolitik/

    auch bei DL-Jobs wird immer mehr rationalisiert und automatisiert — dank Computer kann man da auch immer mehr intermediäre Sachbearbeitung bei Banken, Behörden etc. wegautomatisieren.

    und die Schuldenbremse baut das Land weiter zurück, auch dort verschwinden für immer viele Stellen. Bei unseren Stellenausschreibungen gibt es übrigens keinen Fachkräftemangel, sondern genug Bewerber.

  12. akkumensch says :

    vielleicht gibt es – ohne das mit einem allgemeingültigkeitsanspruch zu sagen, nur als denkbare Möglichkeit – einen „gefühlten“ Fachkräfte- und Expertenmangel… Ausschreibungen sind so präzise, dass niemand reales dazu passt – zu hochqualifiziert bei zu wenig echter erfahrung – die Bewerber mit der echten Lebenserfahrung zu „breit“ aufgestellt und zu wenig spezialisiert oder schon im Rentenalter… der Mix aus jung und erfahren und dann noch billig, der klappt nicht.
    Auch, dass Leute zwar „fit“ sein könnten, wenn man sie begeistern könnte – wenn man ihnen Raum und Zeit für Nachschulungen gäbe oder sie mitbestimmen ließe (auch in der Form: Tageseinteilung, Selbständigkeit, Entbürokratisierung….), würden sie es vielleicht zumindest probieren…
    dass die Leute dann aber nicht „fit“ rüberkommen, gibt’s auch noch( weil etwa die Umstände ungüstig oder das Firmenziel ideologisch nicht vertretbar ist – Atomkraftgegner soll im Atomkraftwerk arbeiten, Vegetarier im Schlachthaus usw.).

    Die alten Leute, die „noch was geleistet haben“, „nicht so ein Lotterleben führten“ fühlen vielleicht auch eine Unsicherheit: wie soll diese von ihnen selbst durchtechnisierte Welt weiterbestehen? Und wie sollen die Kinder ohne die Grundlagen-Expertise der Alten (die es noch von der „Pike auf lernten“) zurechtkommen? Wie sollen die Kinder, denen von der Automatisierung so viel abgenommen wurde, diese selbst verwalten und instand halten können? Wie sollen die Kinder, die Pokemon sehen und Internetgames zocken, Brücken konstruieren lernen und die Geduld aufbringen, erstmal und vorrangig ihre „Pflicht“ (etwa im Altenheim oder auf dem Bau) zu tun – wo doch Party und chillen das Lebensgefühl ausmachen?
    Es ist schon die Angst vor dem Wandel des Lebensstils, die Angst, „dabei könne nichts herauskommen“, die vielen Mathe-Nachhilfestunden und das scheinbar fehlende Interesse der Kinder, sich für „technisches“ und „abstraktes“ zu interessieren, die gerade die „gestandenen Hasen“ aus (technischen) Berufen so einen zukünftigen Fachkräftemangel vorausahnen und daher auch den Jobcentern glauben lassen.
    Doch wer geht zu den Kindern, begeistert sie für späteres Fachkräfteinteresse, macht sie fit für den Erfolg? Die nur langsam die Technik ernstnehmende Schule?
    Nein, es passiert WENN ÜBERHAUPT meist ehrenamtlich – oft mit Erschwernissen – man muss es sich selbst leisten können oder reinbuttern – und sehr beherzt und erfinderisch sein, wenn man eigentlich Alters-Hartzer oder junger Direkteinsteiger ist, OHNE auf eine gute Pension zurückgreifen zu können.

    Die Frage, WAS FÜR FACHKRÄFTE wir eigentlich wollen und brauchen, damit wir alle glücklicher leben können und unsere Probleme (z.B. die ökologischen und globalen) lösen können, muss dazu allgemeine Mitbestimmung bekommen – unabhängig vom Spiel des Geldes.
    Erwerbsarbeitsfixierung bringt eben genau die absurden geschäftsideen usw. mit sich, damit unbezahltes aber sinnvolles evtl. noch hobbymäßig betrieben werden kann (wenn dafür die Kraft noch reicht und man nicht vom Spiel seines von außen erzwungenen Erfolges abhängig oder verdreht wird).
    Wenn das Pflegen der eigenen Oma, die Kindererziehung, das Erfinden von neuartigen Energiemaschinen, das Erhalten von Artenvielfalt usw. HOBBYs sind, weil man mittels Callcenter seinen Lebensunterhalt vorrangig verdienen muss oder mittels Bewerbungen schreiben oder andere Leute anleiten zum guten Bewerben – ja bitte, dann verschenkt man seine eigentliche Produktivität und natürliche Hilfsbereitschaft…
    Auch werden ja Ausbildungen und gerade das Studium oft abgebrochen, weil es finanziell nicht geht. Weil es nichtmal die Anerkennung von Studium oder Ausbildung als „Maßnahme“ gibt, die den Staat als solche nichts extra kostet. Nein, anstatt den Betroffenen den Reghelsatz zu gewähren oder aufzustocken, wird lieber ein Ende der Ausbildung verlangt und dann ein BEWERBERTRAINING etc. finanziert… DAS zeigt auch, dass kein echter Fachkräftemangel herrscht und dass es um Kontrolle und NICHT-Selbstbestimmung geht, selbst wenn das TEURER ist.

    • xyz says :

      DE hat da ein kulturelles Problem, man nennt das „Praxisnähe“, „Passgenauigkeit“. In DE ist es kulturell gesehen viel wichtiger, diese Eigenschaften bereits vor Einstellung mitzubringen, wo man in anderen Ländern Training on the Job macht. Man erwartet hier also schon Spezialkenntnisse, die anderswo nicht verlangt werden. Ist wie mit den Azubis – die sollen die „Reife“ gleich schon mitbringen, am besten schon Vorerfahrung. Manche spanische Azubis lernen in DE nun Speditionskaufmann, obwohl sie schon Mitte 20 sind, Logistik studiert haben in Spanien UND Berufserfahrung haben – das sind hier die liebsten Azubis! Hier gehts nur um Lohndrückerei, denn diese könnte man als Festangestellte gleich einstellen bei Mangel! (Quelle: FAZ). In DE wird immer vorausgesetzt, dass man viel Praxiserfahrung braucht. In Ländern wo schulisch gelernt wird, weiß man, dass man auch im Einstieg noch weiterlernt.

      in anderen Ländern sind die Stellenausschreibungen oft offener formuliert, so dass sich erstmal jeder bewerben kann. In DE MUSS man aber alles schon vorher können, alles ist detailliert beschrieben, was man können soll! Das ist ein problem hier — hab mal Stellenausschreibungen verglichen.

      daher hört man auch immer wieder, dass anderswo Quereinsteiger es wesentlich einfacher haben in allen nichtmedizinischen (regulierten) Berufen. Da kommt man in vielen anderen Ländern leichter rein, während man in DE immer für alles ne 3jährige praxisnahe Ausbildung braucht.

  13. Andy says :

    Ich denke ebenfalls dass wir in Deutschland einen Fachkräftemangel haben, jedoch nur in der Gesundheits- und Sozialbranche.
    Auf http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/mitarbeiter-in-frankfurt-koeln-und-stuttgart-wechseln-am-haeufigsten/ fand ich einen Artikel über die Mitarbeitertreue in div. Großstädten wie Frankfurt, Köln, Stuttgart, das Ruhrgebiet. Frankfurter sind demnach die wechselfreudigsten Mitarbeiter. Ich verstehe einfach nicht, warum Konzerne nicht ihre Mitarbeiter wertschätzen, gerecht entlohnen und in sie investieren, erst recht bei qualifiziertem Personal. Man muss sich doch nicht wundern, das qualifiziertes Personal abwandert..

  14. V 480 Truck says :

    Vor lauter schwarzen Schafen , sieht man kein weisses mehr.
    Ausbeutung ist schon Normalität im kriminellen Transportgewerbe

    Kommentar: Wie schon öfters von mir behauptet, arbeitet die Transportbranche am Rande der Legalität. Sie ist meiner Ansicht nach, eine kriminelle Vereinigung. Die Fahrer werden , ausgebeutet, schikaniert und zum Betrug mit der Fahrerkarte gezwungen. Obwohl in der Öffentlichkeit längst bekannt , billigt der Gesetzgeber das Treiben.Die Löhne werden um die Hälfte des Tariflohnes unterschritten, Überstunden nicht bezahlt und dann wundert sich die Transport – Mafia, dass sich kein Nachwuchs mehr findet. Wer heute für diese Wucherlöhne arbeitet , findet sich später in der Rente , bei der Sozialhilfe.Der Gesetzgeber, sollte dem Treiben ein Ende setzen und den Betrügern , die Transportgenehmigung entziehen, dann trennt sich automatisch , die Spreu vom Weizen.

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