Eine Alternative zu den Sanktionen?

Vor ca. einem halben Jahr habe ich ein positives Konzept von einem Maßnahmenträger (Firma, die Maßnahmen, z.B. für das Jobcenter durchführen) gesehen. Ein sogenannter „Fallmanager“ für Jugendliche (unter 25-jährige) vom Jobcenter nahm mich zu der Firma mit. Er hat dort die Aufgabe Kontrollen durchzuführen. Ein Teil der TeilnehmerInnen sind Jugendliche, die durch die Beratung des Fallmanagers zu der Maßnahme gekommen sind. „Beratung“? Ja, richtig gehört, die Teilnahme an dieser Maßnahme ist zur Abwechslung freiwillig. In diesem Blogeintrag werde ich über die Erfahrungen berichten, die ich bei diesem Träger durch ein Gespräch mit den MitarbeiterInnen gesammelt habe.
Ca. 15-20 Jugendliche kommen täglich von ca. 9-16h zu dem Träger und werden dort ganzheitlich betreut. Die BetreuerInnen gehen auf die Bedürfnisse der Jugendlichen ein und bieten ihnen Hilfe an. Hilfe, die nicht bevormundend ist, sondern Hilfe, die die Jugendlichen befähigt. Hilfe zur Selbsthilfe also. Ganz konkret kann diese Hilfe ganz unterschiedlich aussehen. Für einzelne Jugendliche ist es eine Hilfe zu lernen, sich zu waschen. Für die meisten geht es um Alltagsstrukturen, Gemeinschaft, Sozialisierung (Integration in die Gesellschaft). Manche brauchen direkte Hilfe beim Schritt in die Ausbildung. Oftmals ist Hilfe für den Umgang mit Behörden gefragt. Aber es geht auch um mehr. Z.B. unternehmen die BetreuerInnen oftmals schöne Sachen mit den Jugendlichen (oftmals in die Natur gehen, zusammen spielen, etc.). Einmal in der Woche kochen alle gemeinsam Essen. An diesem Tag kommen auch noch externe Gäste zum Mittagessen und zahlen etwas Geld in die Gemeinschaftskasse. Von dem Geld können die Jugendlichen eigene Projekte verwirklichen. Es geht also tatsächlich darum, die Jugendlichen zu befähigen. Ihre Initiative und ihre Ideen stehen im Mittelpunkt.
Besonders schön find ich den pädagogischen Ansatz, der neben dem Aspekt der Gemeinschaft, v.a. auf Belohnungen basiert. Keine Sanktionen also, keine Strafen für falsches Verhalten, sondern Komplimente für individuelle Fortschritte. Für einzelne Personen kann das sein, dass sie gelernt haben sich zu waschen. Für andere wiederum, ist es das bessere Wissen, über den Umgang mit Behörden und Arbeitgebern. Früher gab es für den Träger sogar die Möglichkeit finanzielle Belohnungen auszuzahlen. Die Mittel dafür wurden mittlerweile leider gestrichen. Das Grundprinzip ist allerdings erhalten geblieben.
Für mich stellt sich die Frage, ob diese Vorgehensweise eine Alternative zu den Sanktionen darstellt. Ich persönlich finde es eindeutig die bessere Variante. Der Nachteil besteht darin, dass weiterhin die Institution, die auf Belohnungen setzt weiterhin ein Machtvorteil gegenüber den Betroffenen hat. Daher ist es meiner Meinung nach wichtig dieses Machtgefälle abzubauen. Nur auf gleicher Augenhöhe kann eine konstruktive Beziehung entstehen!

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23 responses to “Eine Alternative zu den Sanktionen?”

  1. taspie says :

    „Der Nachteil besteht darin, dass weiterhin die Institution, die auf Belohnungen setzt weiterhin ein Machtvorteil gegenüber den Betroffenen hat. “

    Brillant. Sehr schön, kritischerkommilitone!

    „Daher ist es meiner Meinung nach wichtig dieses Machtgefälle abzubauen. Nur auf gleicher Augenhöhe kann eine konstruktive Beziehung entstehen!“

    So sieht es aus. Strafe und Belohnung (Neusprech: Fordern und Fördern) sind keine Grundlagen einer fruchtbaren Beziehung, sondern von Dressur. Das nützt nur denen, die dadurch Geld sparen.

    Bis die Abgerichteten ihnen irgendwann die Vorgärten überrennen. Und dann hilft auch kein Appell mehr an Menschlichkeit und Mitgefühl. Die wurden nämlich erfolgreich abtrainiert.

  2. Andreas Abels says :

    Hi Marcel,

    schön, auch mal was Positives durch eine „Maßnahme“ zu lesen, vor allem, weil sie freiwillig ist.

    Das oberste Grundprinzip muss einfach immer „Freiwilligkeit“ sein, alles andere kann nicht funktionieren und darf auch nicht funktionieren.

    Ob sowas eine Alternative zu den Sanktionen ist? Eine gute Frage, im Grunde ist alles besser als Bestrafungen = Sanktionen, denn es kann nicht sein, dass „Arbeitslose“ bestraft werden, denn sie begehen kein Verbrechen, wenn sie nicht freiwillig an Maßnahmen teilnehmen wollen oder wenn sie Termine nicht wahrnehmen oder wenn sie sich nicht auf vorgeschlagene Stellen bewerben.

    Man sollte im Zusammenhang mit „Arbeitslosen“ auch nicht von „Betreuung“ sprechen, wie es ja bei dieser von Dir beschriebenen Maßnahme für Jugendliche ist.
    Für manche Jugendliche ist eine (von ihnen freiwillig eingegangene) Betreuung natürlich sinnvoll, aber wenn wir von der Masse an Arbeitslosen jenseits eines Alters von 30 sprechen, ist eine Betreuung meistens nicht angebracht, nur eben evtl. eine Beratung.

    Also, Alternative für Sanktionen eher weniger, aber es spricht ja nichts dagegen, solche Maßnahmen auf für Erwachsene anzubieten, solange diese M. freiwillig ist.

    Grüße,
    Andreas Abels = andyherzlogik.

    • tintenkleks says :

      „…aber es spricht ja nichts dagegen, solche Maßnahmen auf für Erwachsene anzubieten, solange diese M. freiwillig ist.“

      Das ist jetzt nicht Ihr Ernst, Herr Abels?

      Legen Sie einmal für einen Moment ihre „herzlogik“ beiseite und benutzen ganz pragmatische ihren Verstand.

      Als mündiger Bürger verwahre ich mich gegen jeglichen Eingriff in meine Privatsphäre. Wie oft ich mich wasche, wie ich meinen Tag organisiere, wen geht das etwas an?

      Wo wollen wir denn da die Grenze ziehen, wenn wir diesen ganzen Wahnsinn nicht von vorneherein unterbinden?
      Sie redeten doch an anderer Stelle vom programmierten Bürger. Genau das passiert auch mittels solcher Maßnahmen (Programmen)… in kleinen unmerklichen Schritten – wenn wir es zulassen.

      Nur ein Beispiel. Mir wurde von meiner Agentur für Arbeit versucht eine sog. „Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung“ auf zu oktroyieren (nach gerade einmal drei Monaten Arbeitslosigkeit).
      Unter anderem sah man sich bemüssigt mein „Gesundheitsmanagement“ zu übernehmen.
      Man hörte ja auch schon von Raucherentwöhnungskuren… dem Einfallsreichtum der Arbeitslosenindustrie sind offenbar keine (Scham)Grenzen gesetzt.

      Der Maßnahmeträger musste leider ohne mich auskommen… er wird es verschmerzen können, sind doch seine innovativen Angebote schon für ein Jahr im voraus von der Agentur für Arbeit eingekauft. Vergaberecht sei Dank, bekommt der billigste – nicht etwa der Beste Anbieter – den Zuschlag.

      Sanktionen ersatzlos streichen, alles andere ist Makulatur!

    • kritischerkommilitone says :

      Hi Andy,

      natürlich ist diese „Maßnahme“ nicht unbedingt eine Alternative zu Sanktionen.

      Das absolut wichtigste ist im ersten Schritt die Freiwilligkeit.

      Als zweites ist die Gleichheit von entscheidender Bedeutung,

      zwischen Hilfegebenden und Hilfenehmenden. Ansonsten wird die ganze Sache

      parternalistisch (wie eben oftmals bei den Jobcentern). Deswegen sind Belohnungen

      natürlich besser als Bestrafungen, spiegeln allerdings weiterhin ein Machtgefälle zwischen beiden „Gruppen“ wider.

      Schließlich darf keine „Gruppe“ bestimmen, welches Verhalten sinnvoll ist oder nicht. Beide müssen gleichberechtigt sein.

      lg

      Marcel

  3. tintenkleks says :

    Entschuldigung, ich kann daran nichts positives erkennen.

    Was Marcel hier beschreibt, ist nichts anderes als Kinder- und Jugendhilfe in die Hände privater Träger zu geben.
    Wohin der Ausverkauf staatlicher Fürsorge führt, sehen wir eindrucksvoll am Beispiel der Kliniken und Alten- und Pflegeheime.

    Wir sollten doch immer das Ganze im Blick haben. Hier wird eine staatlich- hoheitliche Verpflichtung zur Daseinsvorsorge, gewinnorientiert wirtschaftenden Unternehmen überlassen.

    Der eigentliche Skandal ist der, dass diese Dienstleistung aus der Kasse der Bundesagentur finanziert wird, statt wie es korrekt sein sollte – eine Leistung der Kommune darstellt!

    • kritischerkommilitone says :

      Klar, du hast vollkommen recht. Das „Outsourcen“ von Maßnahmen an private Träger

      in Kombination mit der Maßnahmenvergabe ist ein Skandal.

      Bei diesem Blog ging es mir allerdings nicht um dieses Problem,

      sondern um die Vorgehensweise der MitarbeiterInnen und um das

      Prinzip der Freiwilligkeit.

  4. Andreas Abels says :

    “Wo wollen wir denn da die Grenze ziehen, wenn wir diesen ganzen Wahnsinn nicht von vorneherein unterbinden?”

    Die Grenze ist da, wo es nicht freiwillig ist. Wenn etwas freiwillig ist, ist es eine echte “Dienstleistung” und nur dann ist man auch “Kunde”.
    Und nur dann gibt keine “Sanktionen”.

    Ihr Beispiel von einer Maßnahme kenne ich gut, ich selbst war in 3 Maßnahmen, allesamt wurden sie “bestimmt”, also unfreiwillig.

  5. Volker says :

    Das ein JobCenter bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf die Freiwilligkeit setzt, ist sehr lobenswert. Diese Grundhalten ist, wenn sie konzequent weiterverfolgt wird, ein Schritt in die richtige Richtung.

    Aktivierung und Motivierung über positive Verstärkung ist zielführender als Druck durch Sanktionen. Sollte diese Maßnahme dazu beitragen, das die jungen Menschen eigenständiger und selbstbewußter werden, ist für diese Menschen viel gewonnen. Da ist es mir dann, bei allem Verständnis für die Kritik, erst mal egal aus welchen Topf die Gelder kommen und in welche Taschen sie fließen.

    Es wäre natürlich sehr wünschenswert, wenn dieses Beispiel der Freiwilligkeit Schule machen würde. Wenn das die grundsätzliche Ideologie der BA und der JobCenter wäre. Die Realität ist leider eine andere und ich denke, es wird noch schlimmer werden.

    • tintenkleks says :

      „Sollte diese Maßnahme dazu beitragen, das die jungen Menschen eigenständiger und selbstbewußter werden, ist für diese Menschen viel gewonnen.“

      Mit Verlaub, dazu braucht es keine „Maßnahmen“ sondern eine Veränderung der Rahmenbedingungen und Perspektiven. Dazu gehört Förderung, Bildung und Ausbildung die ihren Namen verdient.

      Hier wird an den Symptomen herumgedoktert die es gar nicht gäbe, würde man sich für die Menschen entscheiden, statt für Märkte.

      Wie man sich die Märkte von morgen schafft, erleben wir gerade mit der boomenden Armutsindustrie. Nun muss man sich nur noch den Mensch passend formen… oder in allerlei „Maßnahmen“ stecken.

      Tschuldigung, bei aller Liebe für die hehren Motive von euch Philantrophen, aber euer Manko ist nun einmal das euch die „anderen“ immer drei Schritte voraus sind. Muss wohl so sein, sonst bräuchte man euch ja nicht mehr. 😉

  6. Andreas Abels says :

    @tintenkleks

    Das wir im Grunde eine andere Gesellschaft brauchen, habe ich in anderen Kommentaren zu anderen Themen schon geschrieben. Da bist Du mir und anderen keine Schritte voraus.
    Ich habe da viele Visionen für die Zukunft, und vieles wird letztlich wohl auch so kommen.

    Hier im Thema geht es mir persönlich um die Freiwilligkeit (denn diese “Maßnahme”, die Marcel anspricht, scheint ja freiwillig zu sein), und ich sagte lediglich, dass diese eine Grundvoraussetzung für eine “bessere” und freiere Gesellschaft ist.
    Da wird also kein Jugendlicher in eine Maßnahme “gesteckt”.

    Das HIV-System wird dadurch natürlich nicht besser, dieses System gehört logischerweise sofort abgeschafft. Dass ich so denke, solltest Du doch an anderen Kommentaren zu anderen Themen im Blog gemerkt haben.

    • tintenkleks says :

      „Da bist Du mir und anderen keine Schritte voraus.“

      Na zum Glück. Ich zähle mich auch nicht zu den „anderen“… ich tu mich lediglich schwer was Visionen anbelangt, die sich auf der Annahme stützen, man könnte diese mithilfe von Menschen verwirklichen.

      „Das HIV-System wird dadurch natürlich nicht besser, dieses System gehört logischerweise sofort abgeschafft. Dass ich so denke, solltest Du doch an anderen Kommentaren zu anderen Themen im Blog gemerkt haben.“

      Aber ja, aber da gibt es eben die „anderen“ 😉

      Solange wir uns in Visionen verlieren, anstatt deren Denkweise für uns zu nutzen, solange werden wir hinterher humpeln.

      • Andreas Abels says :

        Zitat:

        „Solange wir uns in Visionen verlieren, anstatt deren Denkweise für uns zu nutzen, solange werden wir hinterher humpeln.“

        Also, das glaube ich eben nicht, da sind wir beiden offenbar verschiedener Ansicht. 😉
        Ohne Visionen gibt es keine Zukunft. Visionen gehen Manifestationen voraus, ohne Ideen im Vorfeld gibt es keine Verwirklichung.

        Wir gehen den Leuten voraus, die immer noch am bestehenden und kranken System herumdoktern wollen.

        Es ist also kein „Verlieren“ in Visionen, sondern lediglich ein Weiterdenken, ein Über-Den-Tellerand-Schauen, etwas dringend Notwendiges für die Menschheit.

  7. Uwe Werner says :

    Sehr gut Deine Sichtweise, denke auch es ist ein positiver Ansatz zu den bisherigen Massnahmen der Bundesagentur für Arbeit. Ich sehe es auch so, das dennoch die BA aufhören sollte, die BürgerINNEN als Unmündige zu behandeln. Deutschlandweit, siehe Fall Hannemann, werden über die restriktiven Massnahmen dieser Behörde diskutiert. Ungeschultes, oder wenig geschultes Personal bei den Antragsstellen, sorgen für Unmut und oft auch berechtigte Wut. Wenn zumindest die Regeln des allgemeinen Anstandes eingehalten würden und man nicht stets das Gefühl vermittelt bekäme ein
    Sozialschnorrer zu sein, wäre ja schon ein Anfang. In Mönchengladbach werden Fallmanager und Teamleiter hermetisch abgeriegelt. Wer nur schon deren Flur oder Etage betritt, wird sofort abgefangen. Übrigens das gleiche System erlebe ich bei der hiesigen AOK.
    Mit den Vorgaben aus Nürnberg, oder einer kommunalen übergeordneten Behörde, wird zusätzlich Druck auf beiden Seiten des Schreibtisches erzeugt.
    Es ist eine Farce, wenn Firmen sagen: „Der Kunde ist König“ und wir das Wort Kunde nur in unserer Kundennummer erwähnt wissen.
    Auf ein weiteres „Follow“ deinerseits freue ich mich schon. Weiterhin eine glückliche Hand. Mfg. Uwe Werner

  8. Berthold Kogge says :

    @Andreas Abels

    Es steht uns nicht zu, eine andere Gesellschaft zu wollen, und die Jetzige einfach als eben programmiert oder auf dem Sofas schlafend, zu deklassieren. .
    Das haben in der deutschen Geschichte schon andere versucht, und ist, mit Verlaub, nur eine Programmierung nach Ihren Vorstellungen, wenn es denn eine Gesellschaft sein soll, wie Sie sie sich wünschen..

    Dass in dieser Gesellschaft etwas aus dem Ruder gelaufen ist, ist ja nicht zu leugnen. Und das muss auch korrigiert werden. Aber man erschießt ja auch keinen Patienten, um den Krebs zu besiegen.

    Die Grundidee, die hier beschrieben wurde, mag ja für Jugendliche sinnvoll sein, wobei so etwas keine gewinnorientierte Firma durchziehen sollte, da dabei schon wieder andere Interessen eine Rolle spielen können, und letztendlich auch werden.

  9. Andreas Abels says :

    Zitat:

    “Es steht uns nicht zu, eine andere Gesellschaft zu wollen, und die Jetzige einfach als eben programmiert oder auf dem Sofas schlafend, zu deklassieren.”

    Naja, dass ich irgendjemanden “deklassiere” ist ja auch nur ihre subjektive Interpretation in meine Worte; die können sie auch noch tausend Mal zitieren, das ändert nichts daran, dass sie diese anders interpretieren als ich.

    Dass mit dem “Sofa” ist nicht wortwörtlich zu nehmen, sondern war im übertragenen Sinne gemeint, und das ging auch aus meinem Kommentar hervor.
    Aber mehr werde ich zum “Sofa-Thema” in Zukunft nicht mehr sagen, da sie meine Worte generell falsch verstehen WOLLEN.

    Natürlich steht es jedem zu, eine andere Gesellschaft zu wollen, denn genau das habe ich mit “Visionen” gemeint.
    Ohne Visionen entwickelt sich keine Gesellschaft weiter.

    Aus meiner Sicht gibt es in der bestehenden Gesellschaft auch nichts zu “korrigieren”, denn ein totes System kann man nicht neu beleben.
    Genauso wenig wie man ein totes Pferd weiter reiten kann.

    • tintenkleks says :

      „Aus meiner Sicht gibt es in der bestehenden Gesellschaft auch nichts zu “korrigieren”, denn ein totes System kann man nicht neu beleben.“

      Die Analyse ist zutreffend, leider ist es äußerst schwierig die Menschen davon zu überzeugen etwas neues – unbekanntes, zu versuchen.

      Das neo-kapitalistische System hat zwar einen entscheidenden Programmfehler… es ist angelegt, sich irgendwann selbst zu zerstören,
      aber die Kollateralschäden die es dabei anrichtet, sind wir… die einfachen Menschen. Dieses System ist gegen jede Vernunft resistent… wir erleben es ja tagtäglich.

      Ich kann mir deshalb keine vernunftbegründeten Veränderungen vorstellen. Es wird wenn, aus der Not heraus und zwangsläufig geschehen.

      Was diese Veränderungen aber letztendlich für eine Gesellschaftsform hervorbringen und welche Individuen nach oben gespült werden, das kann mir auch keine Vision beantworten.
      Als „Berufsskeptiker“ gehe ich immer vom denkbar größten Übel aus.

      • Andreas Abels says :

        @tintenkleks

        Ihre pessimistische Haltung kann ich durchaus verstehen. Ich gehe davon aus, dass dieses System crashed, weil es so einfach nicht weiterfunktionieren kann, allein schon wegen der ZinsesZins-Problematik.

        Nur heißt das für mich nicht, hoffnungslos oder pessimistisch zu sein, im Gegenteil.

        Vermutlich hat es mit meiner spirituellen Einstellung bzw. meinen spirituellen Erfahrungen zu tun, dass ich eben weiß, dass es danach weitergehen wird, aber völlig anders…

        Altes stirbt, damit Neues enstehen kann. Die Natur zeigt es jeden Tag und in jeder Jahreszeit. Für die Natur können wir Menschen das akzeptieren, ja, wir halten das sogar für lebensnotwendig; niemand wird bezweifeln, dass es für einen Baum wichtig ist, im Herbst seine Blätter fallen und absterben zu lassen, damit der Baum weiterleben und Neues in der Natur enstehen kann.
        Nur wenn es um den Menschen und seine Gesellschaft geht, glaubt die Menschenmasse, müsse das anders sein. Vielleicht weil der Mensch immer noch denkt, er stünde ÜBER der Natur und diese sei ihm untertan.

        So ist es eben nicht, sondern der Mensch ist Teil der Natur und umgekehrt. Also wird es auch beim Menschen so sein, dass Altgedientes (wie das jahrtausendalte Herrschaftssystem) sterben wird, und Platz macht für etwas fundamental Neues.
        Es geht auch nicht darum, jetzt genau zu wissen, wie das Neue aussieht, sondern es geht darum, sich zu öffnen für etwas Neues, sich dem Ganzen einfach mal hinzugeben, sozusagen.

        Ja, ich weiß, genau DAS fällt uns Menschen so schwer, denn er ist es gewohnt (und ihm wird es ja immer so beigebracht), alles unter Kontrolle zu haben, alles muss geplant und sorgfältig durchdacht werden.
        Aber Natur und Leben funktioniert nicht auf diese Weise, das zu verstehen, ist nun Aufgabe der Erdenmenschheit.

        Mir ist bewußt, dass ich für solche Aussagen von manchen oder vielen Menschen für naiv gehalten werde, oder vielleicht für einen Phantasten oder Illusionisten oder sonstwas.
        Aber das macht gar nichts, ich bin zu 100% von dem, was ich da sage, überzeugt.

  10. Berthold Kogge says :

    @Andreas Abels..

    Schrieb:


    Naja, dass ich irgendjemanden “deklassiere” ist ja auch nur ihre subjektive Interpretation in meine Worte; die können sie auch noch tausend Mal zitieren, das ändert nichts daran, dass sie diese anders interpretieren als ich.“

    Es ist erschreckend, wie Sie Ihre eigene Aussagen verharmlosen.

    Sie waren es, der behauptet hat, dass die Masse dumm ist und von jemanden, der so denkt wie Sie geführt werden muss. Sie haben es nur anders beschriebe, nämlich, dass die Leute programmiert sind, sie nicht über sich selbst nachdenken können, oder eben einfach nur auf dem Sofa liegen und schlafen. Da die Leute ja nicht wirklich auf dem Sofa liegen und schlafen, war Ihre aussage eben nur eine Metapher für dumm, programmiert und nicht in der Lage sein über sich selbst nachzudenken.

    Und es ist schlichtweg falsch, dieses System als tot zu bezeichnen. Es ist nicht tot. Man hat vor ca. 25-30 Jahren falsche Weichen gestellt, da gilt es dran zu korrigieren. Aber dieses System hat nach dem 2. WK immerhin einen allgemeinen Wohlstand hervorgebracht – zumindest im kapitalistischem System.

    Ihre Sicht ist falsch, durch eine ideologische Brille verklärt. Was die Menschen betrifft, haben Sie eine Vorstellung, wie die Faschisten und Fundamentalsozialisten. Diesen idealen Menschen gibt es aber nicht. Das wussten schon Ihre ideologische Vorgänger. Daher mussten sie dann Gewalt anwenden.

    • tintenkleks says :

      „Es ist nicht tot. Man hat vor ca. 25-30 Jahren falsche Weichen gestellt, da gilt es dran zu korrigieren. Aber dieses System hat nach dem 2. WK immerhin einen allgemeinen Wohlstand hervorgebracht – zumindest im kapitalistischem System.“

      Mir kommen gleich die Tränen. Der gute Kapitalismus… und wenn sie nicht gestorben sind…

      Von welchen Weichen reden Sie?

      Auf dem Schienenstrang des Kapitalismus sind keine Weichen vorgesehen. Immer weiter, immer schneller, das ist Kapitalismus.
      Seit man als Treibstoff „aus Geld mach Geld“ für sich erschlossen hat, geht es rasant Richtung Endziel.

  11. Berthold Kogge says :

    @tintenkleks.

    Bla, bla, bla.

    Es war ja wohl das kapitalistische System, oder nennen wir es etwas höflicher, die freie Marktwirtschaft, die überhaupt die Lage geschaffen hat, damit Sie hier posten können. Und es war dieses System, dass in der breiten Masse einen relativen Wohlstand geschaffen hat.

    Wenn Ihnen denn die Tränen kommen, dann heulen Sie doch. Auch das ändert nichts an der Tatsache.

    Aber hören Sie mit der Behauptung auf, dass im Kapitalismus, oder in der freien Marktwirtschaft keine Weichen vorgesehen sind. Diese Weichen werden na klar nicht die Wirtschaft durchgeführt, sondern von der Politik. Und da wurden vor 25-30 Jahren falsche Weichen gestellt.

    Und es wurde ja schon hier in einer anderen Runde, ich weiß nicht mehr von wem, schlichtweg geleugnet, dass einige unser Probleme auch durch die Veränderung in der Welt verursacht werden. Die Lebensverhältnisse müssen sich weltweit angleichen. Wenn bei uns nicht mehr auf jedem zweiten Produkt (mindestens) Made in China oder ähnliches stehen würde, wäre auch bei uns in vielen Teilen der Lohndruck weg.

    Ich würde mal behaupten, dass mindestens 75 % der Weltbevölkerung gerne mit Ihnen und Andreas Abels wechseln würden, und gerne in diesem toten und ausbeuterischem System, in dem wir hier leben, leben würden.

    Aber mal zum Thema zurück.

    Sanktionen sind ja auch nicht per se, falsch. Auch die Ansetze per Gesetz sind nicht falsch, nämlich Leuten, die sich einer vernünftigen Bildungsmaßnahme oder einer Jobvermittlung bewusst entziehen, zu Sanktionieren.

    Das Problem ist, dass das Jobcenter öffentlich selbst eine Politik propagiert, selbst nicht einhält und bewusst die ganze Bevölkerung täuscht.

    Man versucht eben nicht zu sehen, dass ein Arbeitsloser wieder sinnvoll in einen Beruf kommt, um ihm zu helfen, sondern man versucht Quoten zu erfüllen.

    Es ist einem Sachbearbeiter egal, ob eine Bildungsmaßnahme, die sie einem Arbeitslosen, ´tschuldigung, einem Kunden anbietet, sinnvoll ist oder nicht. Sie muss, da bekommt sie Druck von oben, Quoten in Sachen Vermittlung in Jobs, bzw. in Bildungsmaßnahmen vorweisen. Tut sie es nicht, bekommt sie Druck von oben. Diese Druck wird dann auch auf die „Kunden“ zwangsweise weitergegeben.

    Und im Grunde weiß sogar das Jobcenter, dass ihr Ansatz falsch ist. Wäre es nicht so, würden sie nicht ständig solche öffentlichen Charme-Offensiven starten, in denen erklärt wird, dass sie ja nur für die „Kunden“da sind, und deren Bestes wollen.

    • Andreas Abels says :

      Zitat Berthold Kogge:

      „Ich würde mal behaupten, dass mindestens 75 % der Weltbevölkerung gerne mit Ihnen und Andreas Abels wechseln würden, und gerne in diesem toten und ausbeuterischem System, in dem wir hier leben, leben würden.“

      Haben Sie auch mal darüber nachgedacht, warum das Elend in diesem 75%-Anteil der Weltbewvölkerung so groß ist?

      Genau das liegt nämlich an diesem Wirtschafts- und Regierungssystem, welches ja global installiert wurde.

      Viele arme Afrikaner leben davon, unsere alten Autos, T-Shirts, Computer zu verkaufen, man hat ihnen das Rückrat gebrochen, denn sie sind darauf angewiesen, das, was wir wegwerfen, zu verkaufen und zu kaufen.

      Sie kaufen das Milchpulver von riesigen, westlichen Überprduktionen, weil es billiger ist, anstatt ihre eigene Milch zu produzieren. Aus Landwirten wurden so arme Bettler.

      Sie verkaufen und kaufen weggeworfene Klamotten (Altkleidersammlung, ein riesen, weltweites Geschäft, es gibt genügend Reportagen darüber) anstatt ihre eigenen Klamotten zu produzieren.

      Sie werden ausgebeutet von vielen westlichen und chinesischen Unternehmen, um afrikanische Boden-Ressourcen abzubauen (China braucht Unmengen an Stahl, z.b.), natürlich zu Hungerlöhnen.

      Und so weiter…

      Sie sind also vollkommen abhängig vom westlichen Kapitalismus, und sind trotzdem bitterarm.
      Denken Sie mal über diese Zusammenhänge nach, es gibt klare und eindeutige Zusammenhänge zwischen der Armut der 3. Welt und dem herrschenden, globalem Gesellschaftssystem.
      Diese Dinge sind wichtig zu verstehen, dann erübrigen sich nämlich Ausssagen vieler Menschen wie:

      „Schau doch nach Afrika und anderen Ländern, da gehts uns doch noch richtig gut.“

      Wer so denkt, begreift eben die Zusammenhänge nicht. Unser „Wohlstand“ geschieht auf Kosten von mindestens 75% (wohl eher 90%) der gesamten Weltbevölkerung.
      Und jetzt sind wir sogar an einem Punkt (schon seit langem), wo wir nicht mal unseren eigenen „Wohlstand“ halten können.

      Zitat:

      „Aber mal zum Thema zurück.

      Sanktionen sind ja auch nicht per se, falsch. Auch die Ansetze per Gesetz sind nicht falsch, nämlich Leuten, die sich einer vernünftigen Bildungsmaßnahme oder einer Jobvermittlung bewusst entziehen, zu Sanktionieren. “

      Das verstößt aber gegen mehrere Artikel des Grundgesetzes. Und solange nicht mal das GG eingehalten wird, können Sanktionen nur falsch sein.

      JEDE Sanktion sorgt dafür (da ja mindestens 10% abgezogen werden), dass das Existenzminum (also der HIV-Regelsatz) unterschritten wird, ein ganz klarer Verstoß gegen die Menschlichkeit.

    • tintenkleks says :

      „Es war ja wohl das kapitalistische System, oder nennen wir es etwas höflicher, die freie Marktwirtschaft, die überhaupt die Lage geschaffen hat, damit Sie hier posten können.“

      Ach was…

      Nun nehmen Sie für sich auch noch in Anspruch das es ohne Kapitalismus keine freie Meinungsäußerung gäbe?

      „Diese Weichen werden na klar nicht die Wirtschaft durchgeführt, sondern von der Politik. Und da wurden vor 25-30 Jahren falsche Weichen gestellt.“

      Ach so…

      Interessant, dass die Politik (die auch nichts anderes mehr ist, als der verlängerte Arm des Kapitals) immer dann als Sündenbock herhalten muss, wenn es wieder einmal die freie Marktwirtschaft verbockt hat.

      Jüngstes Beispiel zeigt sich hier:
      http://www.focus.de/schule/schule/tid-32147/abi-jahrgang-in-schweinfurt-faellt-durch-als-wir-es-erfuhren-haben-wir-uns-verarscht-gefuehlt_aid_1029836.html

      Da zeigt sich wieder einmal die ganze degenerative Dekadenz unserer sog. Eliten.

      Aber der Staat – sprich Steuerzahler – wird es schon richten, in der ach so freien Marktwirtschaft.

      Ihr Kapitalismus ist eine einzige Posse… einziger Wermutstropfen, dass Lachen bleibt einem all zu oft im Halse stecken

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