Ein Blog der Missstände im Arbeitsamt/Jobcenter öffentlich machen soll

Dieser Blog soll Missstände der Arbeitsämter und der Jobcenter öffentlich machen. Bereits mit Beginn meines Studiums an der „Hochschule der Bundesagentur für Arbeit“ habe ich den Arbeitsalltag, die Geschäftspolitik und die Gesetze hinterfragt. Ich habe bereits mit vielen MitarbeiterInnen und KommilitonInnen und auch Vorgesetzten diskutiert und meine Meinung gesagt.
Der Blog von der kritischen MitarbeiterIn Inge Hannemann hat mir die Bestätigung gegeben, die ich gesucht habe. Er hat mich auch auf die Idee gebracht, selber einen Blog zu schreiben und die Erfahrungen von Inge Hannemann zu ergänzen. Damit möchte ich ganz praktisch meine Solidarität mit Inge Hannemann zeigen, die ihr eigenes Wohl hinter dem Wohl von Millionen erwerbslosen Menschen anstellt.

Die Ursache für den Blog ist meine Solidarität mit allen Erwerbslosen. Sie sind alltäglich von Maßnahmen der Arbeitsämter oder Jobcenter betroffen. Für sie geht es meistens um die Existenz. Für die Arbeitsämter/Jobcenter hingegen, sind sie nur Zahlen. Mit Zahlen kann gespielt werden. Hier ein bisschen mehr „investieren“, dort weniger „ausgeben“. Die großen Schlagwörter heißen „Effizienz“ und „Effektivität“. Sie werden so heruntergebetet, bis es auch der/die Letzte nicht mehr hören kann.

Effizienz beschreibt das Verhältnis vom Mitteleinsatz zum Ergebnis. D.h., wenn weniger Geld für eine Jobvermittlung pro Person gebraucht wird, ist das effizient. Bei der Effektivität geht es um die Zielerreichung. Die Ziele werden von „oben“ nach „unten“ weitergegeben (im Gegensatz zum intern verwendeten Begriff „Zielvereinbarungen“, Zielvorgaben trifft es da besser).
Das oberste Prinzip heißt faktisch: „Hauptsache Arbeit“. Jede Jobvermittlung ist ein Erfolg. Ein zusätzlicher Erfolg ist es, wenn die Vermittlung auf einen „Vermittlungsvorschlags“ (Jobangebot durch das Arbeitsamt/Jobcenter) zurückzuführen ist. Bei diesem obersten Prinzip, ist es nicht verwunderlich, dass der Druck auf die Erwerbslosen mit den vorgegebenen internen Zielen immer höher wird. So werden angebotene Leiharbeitsstellen zum Normalfall. Die Erwerbslosen müssen auch immer weiter entfernte Stellen annehmen und höhere Lohneinbußen in Kauf nehmen. Die Qualität der vermittelten Stelle ist der Arbeitsamtleitung egal. Sie wird nicht bemessen. Die Nachhaltigkeit einer Vermittlung (welcher Anteil der vermittelten Personen ist nach 6 Monaten in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung) wird zwar bemessen, spielt aber bei den Zielen keine Rolle.

Philosophisch formuliert, sollen wir „leben, um zu arbeiten“. Warum können wir es nicht anders herum machen und „arbeiten, um zu leben“?

Wünsche viel Spaß beim Nachlesen, Nachdenken und Handeln!

Marcel Kallwass

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10 responses to “Ein Blog der Missstände im Arbeitsamt/Jobcenter öffentlich machen soll”

  1. Ulrike says :

    Hallo Herr Kallwass,

    herzlich Willkommen in der Bloggerwelt – und Respekt für Ihre Zivilcourage! Durch Berichte wie von Ihnen können wir „Licht in’s Dunkel“ bringen … für Transparenz sorgen … sichtbar machen – so dass später niemand sagen kann: „Hätte ich DAS gewusst!“

    Ich bin sehr gespannt auf Ihre Beiträge!

    Herzliche Grüße,
    Ulrike Sennhenn

  2. ulysses says :

    Alle Achtung Herr Kallwass,
    das hat was. Noch während des Studiums so sehr kritisch mit der zukünftigen Profession umzugehen zeigt dass Sie wirklich wissen worauf Sie sich nach dem Abschluss einlassen wollen. BA-Mitarbeiter und Betroffene der künstlich herbei geführten Arbeitsmarktmisere sollten in gewissem Sinne und bis zu einem vertretbaren Grad solidarisch sein. Auch ich bin der Meinung dass wir arbeiten um zu leben.

  3. Lina Rosenfeld says :

    Oder bedingungsloses Einkommen 😉

  4. Marko says :

    Klasse Einstieg und genau meine Ansicht ist das auch. Wenn ich schon „Hauptsache Arbeit“ von voll dem System verfallenen Menschen höre, bekomme ich innerlich einen Wutanfall über diese obrigkeitshörige und devote Sichtweise. Ich arbeite, um zu leben. Mein derzeitiger Job als Redakteur war ein echter Traumjob. Den habe ich wegen Mobbings (nach einer zu hohen Gehaltserhöhung) kündigen lassen (betriebsbedingt, damit es keine Sperre vom Amt gibt). Nun bin ich arbeitslos und darf wieder ALG1 beziehen. Da ist man ja noch Premiumkunde beim Arbeitsamt und darf noch seinen Mund aufmachen. Dennoch versuchen die manchmal streng zu sein und mir die sinnlosesten Vermittlungsvorschläge zu unterbreiten für Jobs, auf die ich mich mit extra schlechten Bewerbungsunterlagen bewerben muss, um einem Vorstellungsgespräch beim potenziellen und von mir ungewünschten Arbeitgeber zu vermeiden. Ich will nicht irgendeinen Job, sondern den richtigen Job, der mir auch zusagt. Und da fallen schon einmal Zeitarbeitsfirmen und Personalvermittlungsagenturen raus. Unbefristet ist pflicht. Auf befristete Stellen bewerbe ich mich nicht, außer es ist eine absolut angesagte Firma.

  5. Andreas Abels says :

    Hallo Marcel,

    über http://www.buergerinitiative-grundeinkommen.de/brandbrief/BUKA-berichte-ereignisse.htm (Danke an Ralph Boes) bin ich auf Deinen Blog gestossen.

    Sehr mutig und richtig von Dir, solch einen Blog zu errichten. Es werden immer mehr Menschen aus den Reihen der Jobcenter, die aufstehen und ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema äußern.
    Es ist sehr wichtig, dass gerade ihr, die intern miterleben, was wirklich abgeht, davon erzählt und damit an die Öffentlichkeit geht.

    Ich bin selbst HartzIVler, mehr oder weniger freiwillig gewählt, weil ich es nicht einsehe, diesem „Arbeitskarussel“ und der modernen Sklaverei zur Verfügung zu stehen. Ich hätte vor 12 Jahren einfach meinen gut bezahlten Job weitermachen können (als Diplom-Mathematiker in einer Software-Firma), aber ich wollte und will diesen ganzen Arbeitsdruck nicht mitmachen.
    Ich habe mich innerlich schon immer gegen Zwänge jeder Art gewährt.

    Arbeit = Existenz ist eine Gleichung, die eine Ungleichung sein sollte!

    Niemand sollte gezwungen sein und werden, für seine nakte Existenz arbeiten zu müssen. Arbeit muss nichts Schlechtes sein, aber jeder soll bitteschön für sich selbst definieren dürfen, was Arbeit ist und was nicht.
    Es darf also niemand sanktioniert (=bestraft) werden, der sich dem vom Jobcenter definierten Arbeitsbegriff widersetzt, aus welchen Gründen er oder sie das auch macht.

    Es wird also beständig gegen Artikel unseres eigenen Grundgesetzes verstossen, vor allem gegen Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

    Mache bitte weiter so und ermutige auch Deine Studienkollegen, ihrem Herzen (Gewissen) zu folgen, denn viele werden fühlen, dass das System falsch ist, aber aus Angst nicht handeln wollen.

    Ich werde den Blog gerne weiterverfolgen, denn ich bin immer an Hintergründen interessiert.

    ALLES Liebe,
    Andreas Abels.

  6. Renate Hafemann says :

    Hei Marcel,

    schön, dass Du mithilfst, ein bisschen Presse gegen die Auswüchse der Agenda 2010 zu machen … mein Mann und ich tun das auch … unser Blog ist allerdings gemischt und umfasst viele Themen … unter anderem unsere eigenen Erfahrungen mit Hartz IV und dem Aufstocken, aber auch immer wieder Links zu den tollen Artikeln aus dem Blog von Frau Hannemann … ich werde Dich mit verlinken und hoffe, dass das Deinen jungen Blog gleich ein bisschen mit nach oben zieht.

    Die Presse im Internet ist meiner Meinung nach so ziemlich die einzige freie Presse, die es noch gibt.

    Ich bin zwar nicht mehr Parteimitglied bei den Linken … einfach weil ich zur Zeit schwanke, ob mir die Piraten nicht besser gefallen oder doch nicht und bin deswegen aus der Partei ausgetreten … habe aber zum Beispiel in Schleswig-Holsein mitbekommen, dass sämtliche Zeitungen wie die Kieler Nachrichten und alle anderen Blätter dieser Art nicht mehr frei sind …. als die Arbeiter der Druckerei der KN es geschafft haben, einen Betriebsrat zu gründen, wurde kurzerhand damals die gesamte Leiharbeitsfirma, die sie beschäftigt hat, gekündigt und eine neue angeworben unter der Bedingung, die alten Drucker nicht wieder einzustellen.

    Ich war dann googeln und stellte fest, es gibt so gut wie keine freie Zeitung mehr in Schleswig-Holstein und vermute, das wird bundesweit so sein.

    Insofern ……WIR !!!! sind noch frei, Gott sei dank … also lass uns zusammenhalten.

    LG
    Renate

  7. Der Souverän says :

    Du bist auf dem richtigen Weg. Verlasse ihn nicht und baue ihn aus. Letztendlich siegt das Gute nicht nur weil es stärker ist.

  8. Ein Realist says :

    Hier sind zwei Videos mit interessanten Daten und Links in den Beschreibungen:

    Bitte WEITERSAGEN und im Herbst UNBEDINGT Schwarz-Gelb ABWÄHLEN, da sie ihre jetzige Sozialpolitik sonst FORTSETZEN !!!

    • Renate Hafemann says :

      Keine Panik, ich habe noch nie Schwarz oder Gelb gewählt und rosa auch schon lange nicht mehr 🙂 Ich grübel nur noch, ob ich meine Stimme den Linken oder lieber den Piraten gebe.

  9. David Engmann says :

    Es wurde Zeit das sich jemand traut auch einmal öffentlich über die Missstände der Jobcenter zu berichten, wann wird etwas dagegem unternommen.
    Grüße aus Hellersdorf David

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